Pamplona und San Fermin
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Posted on 21st Jul 2025
Mein spanischer Arbeitskollege hat gemeint, dass zu San Fermin bestenfalls dubiose Privatunterkünfte zur Verfügung stehen. Tatsächlich sind die Preise der Nachfrage angepasst, aber ca. 2 km vom Zentrum entfernt gibt es am letzten Tag von San Fermin, dem 14.07.2025, sehr wohl noch Hotels mit freien Zimmern.
Schon bei den ersten kurzen Spaziergängen zeigen sich die positiven Seiten der Stadt.
Sauber, kaum bis kein Müll oder Graffiti wie in anderen südlichen größeren Städten. Große Müllcontainer für die Mülltrennung, in dunklem Grün gehalten, sodass sie etwas besser im Grün der Platanen verschwinden. Ach ja - eine weitere positive Seite: Viele Parks und Grünanlagen, von Platanen beschattete Alleen.
Um meinen Kollegen wieder zu zitieren: Die Stadt befindet sich in dem Zeitraum im Ausnahmezustand. Das ist sie tatsächlich, 90% der Menschen auf der Straße sind weiß gekleidet mit roten Dreieckstüchern um den Hals und roten Schärpen um die Hüfte. Alles zum Gedenken an den heiligen Fermin, der sein Leben tragischerweise durch Köpfung verlor, wodurch sich das Blut auf das weiße Gewand ergoss - damit ist das rote Halstuch erklärt. Nun, danke lieber Hr. Fermin, sonst hätten wir nicht das Fest, das sich zwar auch durch starken Andrang bei den Messen auszeichnet aber weniger gläubig durch noch stärkeren Andrang bei den Alkoholständen.
Am 14.07 .2025 beginnt San Fermin um 06:00 Uhr offiziell. Dann werden die Besucher in die Stierkampfarena eingelassen, der zweitgrößten in Spanien mit ca. 19.000 Personen Fassungsvermögen.
Inoffiziell hat San Fermin vom 13.11.2025 gar nicht aufgehört. Je näher man dem Zentrum kommt, desto mehr weiß/roten Ferminianern begegnet man und am zentralen Platz sind die Spuren von der Nacht und den Konzerten noch gut sichtbar.
Um 06:00 beginnen tausende Personen durch die Einlässe in die Arena zu drängen, unter den skeptischen Blicken der Polizei, welche auch diverse Gegenstände abnimmt.
Zwischen 06:00 und 08:00 Uhr gibt's Unterhaltungsprogramm, die Arena füllt sich und immer mehr Menschen stimmen in die Gesänge von Blaskapellen, Chören und anderen Darbietungen ein. Inklusive den (mir) seit den Simpsons bekannten T-Shirt Kanonen (wir erinnern uns, Ned Flanders Frau) sowie den "Kiss Me" Kameraaufforderungen von wildem Geklatsche begleitet.
Um 08:00 Uhr werden die Stiere durch die Arena getrieben und was sich martialisch anhört ist ein flottes, aber entspanntes Führen der Tieren durch die Arena.
In der Zwischenzeit haben sich an die 200 wagemutige Personen, überwiegend junge Männer und Frauen in der Arena eingefunden. Der Holzring schließt sich und durch eine Öffnung von den Stallungen läuft der erste junge Stier in die Arena. Die beiden Hörner sind entschärft, zwei schwarze Schutzhüllen über den Hörnern sollen Schlimmeres verhindern.
Ein paar Unvorsichtige bzw. Leichtsinnige werden zu Boden oder buchstäblich durch die Luft geworfen.
Zweimal müssen die Sanitäter einschreiten, die Vorführungen sind kurz unterbrochen. Die Profis schaffen aber sehr wohl den Stier zu übersprungen, einfacher noch von links nach rechts aber auch unglaublicherweise von vorne nach hinten. Dazu gehört schon einiges akrobatische Geschick gepaart mit Mut.
San Fermin ist aber, neben allem folklorischem Hintergrund und dem Nervenkitzel auch - klar sichtbar - ein Ausdruck der katalanischen (gedanklichen) Eigenständigkeit. Als jemand die spanische Flagge entrollt, geht ein Pfeifkonzert durch die Menge. Vermutlich sind die beiden Flaggenhisser nur Teil des Unterhaltungsprogramms und keine Anhänger der spanischen Zentralregierung.
In der Kirche de San Lorenzo ist die Heimatkapelle von San Fermin und um ca. 11:00 Uhr findet der Gottedienst statt.
Die Altstadt von Pamplona ist sehr sehenswert, ein Teil der alten Stadtmauer ist noch gut erhalten.
Kathedrale, Rathaus, der zentral rechteckig angelegte "Hauptplatz" und die Parks mit Pfauen, Hühnern und anderem Getier nicht zu vergessen.
Der Beichtstuhl, einmal für leichte Sünden (man darf sitzen) oder für schwere Sünden (man muss knienen):
Diese beiden Marmorstatuen stellen den sichtbaren Teil des Mausoleums von Carlos III, dem Noblen und seiner Frau Leonor, Könige von Navarra dar. Entstanden bereits um ca. 1413 - 1429 durch den bekannten Bildhauer Jehan Loe de Tournal.
Etwas abseits, ca. 2 km vom Zentrum entfernt liegt der Yamaguchi Park. Schatten, Brunnen, ein kleiner Teich. Absolut empfehlenswert für eine kurze Rast.