Ins Weingebiet des Rioja.
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Posted on 29th Jul 2024
Soll-Zeit für die Ankunft: 13:00 Uhr, Ist-Zeit für das Betreten des Parkdecks 'D': 16:25. Noch nie so eine schwache Performance erlebt bei GNV, ein Teil möglicherweise auf die zahlreichen Barcelona-Fahrer zurückzuführen, es werden, geschätzt, 15% der gesamten Teilnehmer sein.
Das Verlassen von Barcelona geschieht routiniert und freiwillig, kurz in Richtung Osten und nach ein paar Hundert Meter im Kreisverkehr die vierte Ausfahrt nehmen, welche zurück nach Westen auf die Umfahrungen führt. Die Strecke von hier zum Atlantik beträgt ungefähr 600 km und aufgrund der verspäteten Ankunft wurde auch die weitere Routenplanung über den Haufen geworfen. So kam es zu einem Spontan-Nächtigungsaufenthalt in Arnedo, einer kleinen Stadt in der unabhängigen Region Rioja.
Während der Fahrt in Richtung Nordwesten werden mehrere autonome Regionen durchfahren, Katalonien, Aragonien, Navarra und La Rioja. Die Landschaften wechseln, von hügeligem Weinbaugebiet hin zu kargen Ebenen, in welcher man eine der Ursachen für die Kargheit nun nutzbringend einsetzt, den Wind. Über ca. 30 km erstrecken sich rechts und links der Autobahn, teils bis zum Horizont Hunderte von Windrädern. Don Quijote hätte einiges zu tun.
Arnedo hat, wie viele Städte, die den überwiegenden Verlust einer Industrie verzeichneten, schon bessere Zeiten gesehen. In dem Fall hier sprechen wir von der Schuhindustrie, an verschiedenen Orten wird der Vergangenheit gedacht.
Am Stadtrand gibt es noch vereinzelt Schuhfabriken, aber vom handwerklichen Einfluss vergangener Epochen wird nicht mehr viel spürbar sein.
Das Hotel, ein IBIS Styles mit Namen 'Victoria' ist weitgehend sauber und entspricht dem Preis. Mit Englisch kommt man an der sehr freundlichen Rezeption zwar durch aber beim Frühstück oder beim Abendessen ist es vorbei damit. Es wird ausschließlich spanisch gesprochen aber mit ein paar Brocken davon und mit Mimik und Gestik kommt man ans Ziel. Apropos Abendessen: Das Highlight des Hotels ist die Küche und das bezeugen auch die anderen besetzten Tische um 21:30 Uhr.
Die Menschen hier - nicht nur im Hotel sondern auch in anderen Geschäften - unterscheiden sich ein wenig von den Tourismus-orientierten Dienstleistungsregionen. Hier wird in der Landwirtschaft, Weinbau, Industrie und ein wenig Bergbau gearbeitet und die geografische Struktur der Region lässt keinen sehr hohen Grad an industrialisierter Landwirtschaft zu. Je rauer die Region, die Umgebung, desto rauer die Menschen.
Die Hügel hier bestehen aus recht weichem Material und so finden sich viele Höhlen in der Umgebung.
Aber nicht nur in prähistorischen Zeiten (in der Nähe in den Cuevas de los Cien Pilares), sondern sogar in jüngeren Zeiten wurde hier gelebt.
Beim ersten Kurzspaziergang fiel ein kleines Obst – und Gemüsegeschäft mit Namen „Ararat“ auf. Ein eher unüblicher Name für ein kleines Obst/Gemüsegeschäft mit migrantischem Hintergrund, das Schild zeigt den Berg Ararat, heute zur Türkei gehörend sowie die Beschriftung „Alimentacion Armenia Rusay Rumana“. Beim zweiten Spaziergang fällt dieses Kreuz vor einer Kirche auf, welches an die ermordeten Armenier und den Flüchtlingsstrom im Jahr 1915 erinnert. Nach etwas Suche im Internet erfährt man, dass die Kirche St. Eulalia in Arnedo zur armenisch apostolischen Kirche gehört und die armenische Gemeindeo dort zählt ca. 700 Menschen.
Die Hauptkirche in Arnedo ist zwei Heiligen, Cosme und Damian gewidmet, beide sind als Märtyrer gestorben.
Das Wort 'Mirador' als Aussichtsort wird auch in Arnedo verwendet. Und tatsächlich hat man von einer erhöhten Plattform einen famosen Blick auf die Stadt und das Umland. An viele Stellen wird die Erde bzw. Stein abgebaut, dies verstärkt die zerklüftete Landschaft.
Der Ausblick zur Burg:
Der Aufgang zur Plattform führt durch die Stadt einen Hügel hinaus und offenbart sichtbar den Mangel an Geld, kommunal wie auch privat. Viele Häuser bzw. Wohnungen stehen zum Verkauf (vende) und Mineralwasser wird in 5 Liter Behältern verkauft, mehrere Personen damit gesehen. Beim Supermarkt 'Eroski' wird dieser Großbehälter um 66 Cent angeboten.
Begonnen, aber …
Man könnte der Stadt noch etwas mehr Zeit widmen, allerdings ruft der Atlantik, daher auf zum zweiten Streckenabschnitt nach Castro Urdiales.