Amsterdam - die Stadt am und im Wasser
Nächste Etappe - Papenburg und die Kreuzfahrt
Posted on 29th Jul 2019
Bevor ich dem Inhalt von Amsterdam Raum schenke ein Eindruck, der sich durch vielerlei Erlebtes manifestiert hat: Hier ist das Volk von Händlern und Kaufleuten zuhause und es ist nicht der König oder ein Parlament das regiert, sondern das Geld.
Der Hauptplatz von Amsterdam heißt der Dam, hier gibt es (zumindest) zwei hostorisch spannende Gebäude.
Zum Einen die "nieuwe kerk", jene Kirche, wo die gekrönten Häupter der Niederlande sich trauen lassen. Innerhalb der Kirche fallen die ca. 2 x 1 Meter großen Steinplatten auf, sie bedecken praktisch den gesamten Kirchenboden. Teils mit noch erkennbaren Inschriften und Jahreszahlen versehen. Das sind die Platten zu Gräbern, mit bis zu fünf Geschossen, vom zahlungswilligen Bürgern.
Um die mächtigen Säulen in der Kirche gibt es kunstvoll gezimmerte Holzbänke mit Baldachinen für die Reichen. Die Kirche als Wirtschaftsfaktor belegt auch der "Kirchenmeister", der für die Finanzen verantwortlich war. Beispielsweise für den Wachs Einkauf und auch für die Spenden während der Messen.
Sogar Personalverantwortung oblag ihm, das klare und erklärte Ziel war es die richtigen Pastoren zu wählen, die in der Lage waren ausreichend Menschen in die Kirche zu bringen. Natürlich kostet der Eintritt in die Kirche und natürlich sind die ausgestellten Bilder mit dem perfekt funktionierenden Audio Guide und Multimedia Einspielungen Pflichtprogramm.
Aber es wird mehr Museum vermittelt als Kirche.
Das zweite Gebäude am Dam ist der königliche Palast, in diesem empfangen die niederländischen gekrönten Häupter den Staatsbesuch, teils wird hier genächtigt, teils diniert in einem großen Saal. Ein Video zeigt die komplexe Etikette beispielsweise eigene Formen aus Holz um sicherzustellen, dass die Gläser im richtigen Abstand zueinander stehen. Die herrschaftlichen Einrichtungen und Architektur sowie Gemälde sind sicher einen Besuch wert, man gönnt sich ja sonst nichts…
Darüber hinaus ist Amsterdam aber locker, es gibt die klare Dominanz der Radfahrer auf den roten Rad-Autobahnen. Hier sind die Fahrrad-Fahrer die beherrschende Verkehrsnetz Klasse. Es macht auch durchaus Spass wenn man sich an ein paar Regeln gewöhnt hat: Licht ist etwas für Konformisten, Ampeln stellen eine Empfehlung dar und Handzeichen für das Abbiegen - und das geschieht de facto ständig - erfolgt nur durch Personen 40+.
Mit dem Rad ist auch der Vondelpark gut zu erreichen und zu befahren, eine große Anlage mit vielen Gruppen in der Wiese sowie im Schatten ruhend bzw. singend etc. Im Park gibt es mehrere Teiche, viel Schatten, alles entspannt und unkompliziert - aber grillen ist verboten wird auch mit einem Schild am Eingang zum Park klar dargestellt.
Das unbestrittene Highlight sind die Grachten und die meist 2-6 Fenster breiten Häuser an deren Rand, mit Giebeln und den Haken für das Ent- bzw. Beladen der Häuser mit Mobiliar, das für die engen Stiegenhäuser ungeeignet wäre.
Die Häuser sowie die meisten Hausboote sind ausgesprochen gut gepflegt und zumindest innerhalb der Ringe bis zur Prinzengracht sehr stilvoll saniert. Hausboote, welche an eine der attraktiven Grachten liegen haben natürlich ein Problem mit den zahllosen Ausflugsschiffen (von kleinen 4-6 Personen Booten bis zu 50 Personen fassende Sight Seeing Schiffen) die ständig an ihrer Haustüre mit Motorengeräuschen vorbeiziehen. Ab 22 Uhr wird es etwas beschaulicher an den Kanälen.
Viele zu besuchende Einrichtungen öffnen erst um 10:00 Uhr, einige davon schließen auch schon um 17:00 Uhr. Möchte man noch einen passabel kühlen Morgen nutzen, bedarf es Planung, also zum Begijnhof, einer aufgelassenen Klostereinrichtung der Beginen, in der Zwischenzeit zu Wohnhäusern mit einer zentralen dreiecksförmigen Grünanlage sowie einer kleinen Kirche umgewandelt. Gepflegt und mit den typischen Häusern im Amsterdamer Grachtenstil errichtet.
Etwa 2 Kilometer entfernt befindet sich das Marinemuseum. Highlights sind sicher der begehbare Nachbau eines mehr als 50 Meter langen Segel-Schiffes des goldenen Zeitalters, des 17-ten Jahrhunderts. In Augenhöhe zur größten Seefahrernation, England und mit diesen über 3 mehrjährige Kriege verbunden. Ebenso beeindruckend ist das Vermitteln der Entstehung der Niederlande durch das Trockenlegen und dem enormen Wachstum des kleinen Landes durch Überseekolonien in Asien, Afrika und Südamerika und - vor allem - durch den Handel. Dies geschah folgendermaßen: Schiffe transportierten Waffen, Eisen etc. nach Afrika, von dort werden Sklaven nach Nord - und Südamerika transportiert und von dort Bananen, Kakao, Gewürze etc. wieder zurück nach Europa. In Summe ca. 800.000 Sklaven haben auf diese Art und Weise den niederländischen Weg in die neue Welt gefunden. Das Bild der geschickten Händlernation wird nicht nur hier im Marinemuseum vermittelt, das Rijksmuseum bestätigt das.
Die kurzweilige Schau wird ergänzt um eine ca. 20 Meter lange multimediale Darstellung des Hafens und der darin befindlichen Schiffe. Auch hochinteressant: Die Navigation auf See mit den Kernfragen: "Wo befinde ich mich?", "Wieviel Wasser habe ich unter dem Bug?", "in welche Himmelsrichtung fahre ich?" und last but not least: "Wie schnell fahre ich?" und diese Fragen galt es vor Jahrhunderten ohne elektronische Hilfsmittel zu beantworten.
Die Niederländer waren natürlich auch große Schiffsbauer und ihr Fokus galt dem Transport, wie bereits weiter oben erläutert. D.h. bauchige Schiffe mit viel Laderaum und - für das Befahren der küstennahen Gewässer flache Schiffe. Ebbe und Flut haben 2-3 Meter Wirkung hier und um dem Auflaufen auf Grund, das unweigerlich passierte, zu begegnen hat man solche kleineren Schiffe ohne den klassischen Kiel gebaut. Damit saß man zwar auf den Sandbänken auf, mit der nächsten Flut war man aber wieder im Geschäft. Der Nachteil dieser Lösung war aber die Seitenwindempfindlichkeit, daher entwickelte man "Seitenschwerter".
Amsterdam ist auch deshalb spannend, weil die Stadt die Wasserwege unkompliziert zur Verfügung stellt. Es gibt auffallend viele Boote mit 8-10 (überwiegend) Jugendlichen an Board. In der Mitte dieser Schiffe steht ein Tisch und auf diesem Tisch stehen Getränke. Das ist wiederum die Aufgabe der eher spärlichen Supermärkte innerhalb des Grachten-Stadtgebietes. Sie sind Heineken-Lieferanten für diese feucht-fröhlichen Bootausflüge.
Das Rembrandt-Haus (er hat von 1606-1669 gelebt) ist ebenfalls einen Besuch wert, auch wenn dieser Folgen hatte, aber davon weiter unten.
Rembrandt ist ja weitgehend über seinen Vornamen bekannt, lebte hier, man sieht sein Schul-Atelier (die Einnahmen aus der Lehrtätigkeit für verschiedene Schüler waren sehr wichtig für ihn), der Ausstellungsraum (nicht nur für eigene sondern auch für die Bilder anderer Maler, er war auch Kunsthändler) bis zur Küche mit der Schlafkoje für die Magd.
Die Schlafkojen waren sehr klein, damals war es nicht üblich im liegen sondern halbsitzend zu schlafen, man fürchtete, dass das Blut in den Kopf läuft und irreparable Schäden verursacht.
Aber es blieb ihm nicht erspart in Armut zu sterben.
Das Muesum Stedeljik sorgt am Museums-Plein für die modernen Farbtupfer im sonst sehr klassischen Umfeld. Zudem zeigt das Museum in den Räumlichkeiten eine Wrrkschau der österreichischen Malerin Maria Lassnig. Sämtliche ihrer Schaffensperioden sind dokumentiert, auch die Zeit in NewYork und viele ihrer bekannten Bilder.
881.000 Fahrräder (n etwa…) und trotzdem wird meines gestohlen. Wie kam das?
Vor dem Museum "Rembrandt Haus" gibt es eine Reihe von Fahrradabstellplätzen. Hier werden Stahlrohre zur Verfügung gestellt, zu einem rechteckigen Handlauf geformt, dir nur auf das Anketten warten. Es werden die meisten Räder mit Ketten an so einer Einrichtung befestigt - oder an eisernen Brückengeländern etc..
Die Ketten haben mitunter martialische Ausmaße und wirken so schwer wie das Fahrrad selbst, aber alles eine Frage des Geldes und Rad-Werts. Keine Kette kommt dann zum Einsatz, auch das gibt es, wenn sie schon so desolat sind, dass sich niemand die Mühe macht die Räder zu entwenden.
Und trotzdem hat Amsterdam mein Fahrrad geschluckt, nicht sehr nett. Das wird definitiv als Wermutstropfen im Gedächtnis zu "Wie war Amsterdam" bleiben.
Was macht man nun, wenn allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz gerade meines gestohlenen wird?
Man sucht sich die nächste Polizeistelle, zwei Beamte nehmen den Sachverhalt auf, versprechen die Videokameras vor dem Rembrandt Haus zu prüfen, aber es wirkt trotzdem wie das Zusprechen von Mut für kleine Kinder und weniger als ein zuversichtliches "Das schaffen wir schon".
Allgemein merkenswertes aus der Region
a) Ein allgemeiner Trend soll noch vermittelt werden: Das bargeldlose Zahlen ist tatsächlich auf dem Vormarsch, viele lokale haben große Tafeln ausgestellt mit dem Titel "No cash".
b) In den Museen war die weitgehende Personenlosigkeit im Zusammenhang mit den Ausgaben der Audioguides auffällig. Es gibt eine Ladestation dort werden sie entnommen bzw hinein eingesteckt. Versucht Kommt man zu nah in Richtung Ausgang, ertönt ein Warnsignal, das ein Guide ausschalgen kann.
c) Es gibt vergleichsweise wenige Hundebesitzer, freilaufend sowieso nicht aber auch wenige an der Leine. Vielleicht auch der Innenstadt und vergleichsweise engen Wege geschuldet.
d) Strohballen wurden fast durchgängig ohne Kunststoffüberzug gerollt bzw. zu Quadern geformt. Vorbildlich!