Alpenreise, erster Teil, Anreise und Resumee
Posted on 3rd Aug 2021
Aosta ist eine vergleichsweise kleine Hauptstadt der Region Aostatal mit ca. 35.000 Einwohnern aber einer attraktiven Mischung an Leistungen für Bürger und Besucher.
Für Naturfreunde: Links und rechts vom Ort ragen wanderbare Gebirge in die Höhe, für einen Seilbahntrip bieten Nachbargemeinden ausreichend Angebot. So verwundert es auch nicht, wenn die Anzahl der Sportgeschäfte eine übliche Quote in einer Stadt deutlich übersteigt. Weitere untrügliche Zeichen: Die Anzahl der e-mountainbikes in der Fussgängerzone und für das mittelalterliche Straßenpflaster im Zentrum eignen sich Wanderschuhe ohnehin besser.
Für Kultur- und Gechichtsfreunde: Hier bieten Ausgrabungen in verschiedener Qualität sowie erzählende Kirchen Angebot für locker einen vollen Tag. Auch wenn der Ticketdruck für die Eintrittskarte ca. 10 Minuten in Anspruch nahm, es gab Probleme mit dem Computer.
Man erfährt von den Römern die bereits den St. Gotthard Pass als Nord-Süd Route für sich bzw. den Warentransport entdeckten. Das Stadtzentrum ist umgeben von den Überresten einer antiken Mauer mit Wehrtürmen und Toren wie dem sehr gut erhaltenen Prätorianer-Tor.
Die Reste des Amphitheaters, Brücken oder Ausgrabungen von Fundamenten römischer Tempel sind gut im Rahmen einer Altstadttour zu erreichen, empfehlenswert ist ein 10 € Ticket für 5 museale Einrichtungen.
Das Prätorianertor, 25 bC.
Aosta beherbergt einige besuchenswerte Kirchen, SantaOrso, San Lorenzo und Maria Verkündigung. Regionale Besonderheiten, Krypten, kunstvoll bemalte Dachstühle u.v.m.
Santa Orso:
San Lorenzo: Der Fokus hier liegt in den Grundrissen der alten Kirche. Es gibt Bilder über Prozessionen aus dem Jahr 1514 in welchen die Kirche bereits dargestellt ist. Tatsächlich entstand dieses frühchristliche Objekt bereits im 5 Jhdt. Die Darstellungen zeigen die unterschiedlichen Phasen und Stile der Varianten welche die Kirche im Verlauf der Jahrhunderte durchlebt hat.
Maria Verkündigung:
So wird COVID-Abstand gesteuert:
Auch hier – Reliquienkult:
Die Krypta:
Schön bemalte Decke in einer Seitenkapelle (gehörte natürlich einem Adeligen)
Man erfährt von Ausgrabungen die bis ca.5.000 vor Christus zurückreichen. Diese Stätte, St. Martin de-Corleans, wurde mit einem high-tech Museumsbau eingefasst der so gar nicht in die alpine Region passen will. Mit Lichteffekten und aufwändigen Videoinstallationen werden die unterschiedlichen Phasen vermittelt. Jungsteinzeit, Kupferzeit, Bronzezeit etc. Gräber sind zwar stumme aber aussagekräftige Zeugen, die Art und Weise wie mit Steinen ein Grabraum gestaltet wurde, die Grabbeigaben, Knochen und Zähne, all das erzählt Geschichte und Geschichten.
Ackerbau, Vorratsbehälter, Kornmühlen (natürlich mit Hand betrieben), sorgfältig behauene Stelen und einiges mehr kann der archäologische Ausgrabungsort zeigen. Diese Megalithen wurden in ähnlicher Form auch im nördlich gelegenen Sion in der Schweiz gefunden.
Aber ein Nachgeschmack bleibt: Es wäre auch mit weniger Geld ein ähnliches Ergebnis vermittelbar gewesen.
Zudem sieht man an verschiedensten Orten in der Stadt, dass auch die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen hast. Viel Leerstand abseits der Fussgängerzone, kaputte Fenster, leere verfallene Hallen.
Ähnlich wie die Schweiz hat offensichtlich auch zumindest diese Region in Italien einen unkomplizierten Zugang zu Cannabis:
Interessant wird es, wenn man genauer auf die Sprache der Menschen hört und Französisch auch von Personen gesprochen wird, die nicht zu Touristen gehören. Geht an dem nach dann entdeckt man zahlreiche französische Wurzeln in Strassennamen im Rathaus, das die Bezeichnung "Hotel de Ville" stolz an der Vorderseite trägt. Wikipedia bestätigt dies, es gab genug Phasen unter französischem Einfluss in der Geschichte und erst der Rissorgimento mit der geplanten Ansiedlung von Italienern (inkl. dem Schaffen von Arbeitsplätzen wie einem Stahlwerk) hat Aosta überwiegend italienisch werden lassen. .jpg
An Wasser mangelt es der Region nicht, es werden Brunnen mit Trinkwasser angeboten, viel Kleingartenanbau mit Gemüse und üppiges Grün von Oleander und anderen regionalen Pflanzen. Abgesehen von Bergquellen und dem Fluss Dora Baltea hält auch der Himmel diesmal Regen bereit, damit fällt Wandern flach aber ein Ausflug in die Stadt zahlt sich trotzdem immer aus.