Toll für Radfahrer
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Posted on 25th Jul 2022
Ein kleiner Abstecher vor der Fahrt zur Ile des Re in Richtung „U-Boot Hangar“. Warum nur in Richtung? Weil die Besichtigung nicht möglich ist, daher hier eine Komposition aus dem Museum Maritime und eigenen Aufnahmen:
Die Ile de Re ist eine ca. 85 qm grosse Insel vor La Rochelle.
Eine ca. 3 km lange Brücke verbindet Festland und Insel. Für die Baumeister wäre es bequemer gewesen eine gerade, ebene Brücke zu errichten, auch die Radfahrer hätten es gedankt. Allerdings hatte das Militär Einspruch erhoben, sie wollte mind. 30 Meter Höhe um bestimmten Kriegsschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.
Der Radweg über die Brücke ist ausreichend großzügig angelegt, sogar ausreichend Raum für das Zücken des Fotoapparats. Auf der Insel setzt der Radweg fort, tolle Qualität, nur wenige Erhebungen durch Baumwurzeln trüben das Fahrerlebnis.
Radwegen kreuzen die Insel, alles sind Kindertauglich und viele davon führen entlang des Meeres. Es hat ca. 26 Grad und ein leichter Atlantikwind beschleunigt zusätzlich.
Der Weg führt weiter zur kleinen Hafenstadt "La Flotte", dazwischen immer weiß getünchte Häuser und ebensolche Steinmauern sowie Campingplätze.
Hier fällt neuerlich die Affinität der Region La Rochelle zu den britischen und Irischen Inseln auf, ich würde meinen ähnliche viele Besucher aus GB und Irland wie aus den Niederlanden oder Belgien. Danach finden sich ein paar verprengte Deutsche oder sogar Norweger und Dänen. Letztere beispielsweise in Form einer hardcore Radgruppe, mit der Aufschrift "Dänemark-Paris" auf den Trikots. Offensichtlich waren sie so flott unterwegs, dass sie gleich den Atlantik, La Rochelle als nächst Etappe gewählt hatten. Trotzdem - einige sind in der Hotellounge eingeschlafen unmittelbar nach der Ankunft.
Die Brücke vom Festland zur Ile de Re:
Ile de Re steht, wie erwähnt für Radfahrer und betuchte Ferienhausbesitzer. Aber auch für die Austernzucht, hierfür ist die Region berühmt. Daher: Ausprobieren vor Ort. Sie werden mit Schwarzbrot, Butter, Zitrone, eine senf-Sauce und natürlich Reinigungstüchern serviert.
6 Austern + 6 Garnelen, alles in bester Frische kosten 13 Euro. Geschmack und Erlebnis inklusive.
Ein grünes Merkmal der Region: Brombeersträucher. Sie wuchern überall, am Straßenrand, an Parkanlagen etc. Die Früchte benötigen aber noch ca. 2 Wochen für das Reifen, d.h. Mitte August spätestens kann geerntet werden.
Man kann nicht daran vorbeisehen oder vorbeifahren – das Kloster „Notre Dame des Chateliers“. 1156 vom Herrn der Insel gegründet, hatte seine Blütezeit im 12-ten und 13-ten Jahrhundert bis es im Verlauf des Hundertjährigen Kriegs zwischen England und Frankreich sowie den aufkeimenden Protestanten im 16. Jhdt dem Untergang geweiht wurde. Zumindest einen Zweck hat es danach noch erfüllt (bevor es zum Radfahrertourismussmagneten wurde): Eine Orientierungshilfe für Seefahrer.
Als wäre das nicht schon ausreichend, hält die Insel noch ein Fort aus dem 17. Jhdt. bereit.
Sehr nett zu besichtigen, auch wegen der deutschen Hinterlassenschaft in Form eines Fernmelderhäuschens und darin gefundenen Resten aus dem zweiten Weltkrieg. Die zweite Aussergewöhnlichkeit: Dort stationierte Personen haben über die Jahrhunderte Graffiti und eingeritzte Nachrichten hinterlassen, so auch diese interessante Botschaft für die Nachwelt.
Zurück in die Stadt La Rochelle geht es den Radweg entlang, wie schon erwähnt: eine leichte Atlantikbrise sorgt für entspanntes Radfahren unter der Sonne.
La Rochelle ist übrigens einer der westlichsten Punkte unter der gleichen mitteleuropäischen Zeitzone. das bedeutet eine zusätzliche Stunde Sonne im Vergleich zu Graz.
Die Stadt gibt wirklich viel, viel positiv Unerwartetes. Aber sie fordert auch etwas, was am Ende immer fehlt: Zeit und Geld :-)