Tempelberg, via Dolorosa mit Grabeskirche, Erlöserkirche, Qumran-Rollen und Israel Museum.
Nächster Tag: Durch das Westjordanland zum See Genezareth
Posted on 12th Jan 2019
Am östlichen Rand der Altstadt innerhalb der von Suleiman erbauten Mauern liegt der Tempelberg. Es ist ein Plateau umrahmt von Stütz- bzw. Begrenzungsmauern und beherbergt die Al Aqusa Moschee und den Felsendom, ersteres ist eine Gebetsstätte, zweiteres eine Gedenkstätte
Die „Gütertrennung“ zwischen den Religionen bzw. Staaten ist kein einfaches Konstrukt, der Tempelberg darf von Nicht-Muslimen besucht aber es darf dort nicht gebetet werden. Daher ist beispielsweise heute bei einer Gruppe von Rabbinern, welche den Tempelberg besichtigen immer auch mindestens ein israelischer Polizist bei der Gruppe sowie ein Bewacher des Tempelbergs, der diese Beschränkungen überwacht. Diese Bewacher mit religiösen Pflichten werden von Jordanien finanziert.
Die Al-Aqsa-Moschee ist im Gegensatz zu anderen Moscheen für Nichtmuslime nicht zu betreten.
Übrigens - allgegenwärtig sind Katzen, auch hier am Tempelberg.
Gegenüber der Moschee befindet sich am höchsten Punkt der Felsendom. Der Überlieferung nach soll hier der Prophet Mohammed zum Himmel gefahren sein. Rechts neben dem Felsendom befindet sich ein kleineres Modell des Doms, unter diesem Dach tummelt sich eine Mädchen Schulklasse, alle übrigens mit einem Kopftuch. Aber trotz diese von beiden Seiten zur Schau gestellten Religiosität hat man hier in Jerusalem nicht das Gefühl von Spannungen, obwohl sich vieles Leben in getrennten Stadtvierteln abspielt trifft man sich doch auf genügend Plätzen. Unter Teilen des Tempelbergs lag bzw. liegt heute noch eine Zisterne, auch wenn sie nicht mehr für Trinkwasser herangezogen wird.
Ausgehend vom Felsendom geht es in Richtung Via Dolorosa, der Ausgang vom Tempelberg für uns Nicht-Muslime ist übrigens auch einer der Eingänge für Muslime, ein Teil des oben erwähnten komplexen Regelwerks. Das heißt: mehrere (11) Eingänge für Muslime, ein Eingang für Nicht-Muslime. Dafür wachen mehreren Soldaten an diesem Tor (wie auch an den anderen Toren).
Die via Dolorosa beschreibt den Leidensweg Jesus mit dem Kreuz. Sie schlängelt sich durch die Altstadt in Richtung Grabeskirche. Dort bemühen sich verschiedene christliche Glaubensrichtungen in den ihnen zugeteilten Räumen mit Pracht um ihre Gläubigen und die Touristen.
Es liegt so viel Spiritualität und Glaube in der Luft, es ist – ohne Pathos – zum Anfassen vorhanden. Anfassen wie es die Pilger tun am Salbungsstein auf dem Jesus nach der Kreuzabnahme gesalbt wurde, Beten wie es die Gläubigen vor dem Kreuz am Golgatha Hügel tun und Berühren der Säulen links am Eingangsportal wie es die Orthodoxen tun weil dort das erste Osterfeuer aus der Säule getreten sein soll.
An dem Salbungsstein soll Jesus nach dem Tod gesalbt worden sein. Wie hier im Bild zu erkennen, wird das von vielen Gläubigen sehr ernst genommen.
Fährt man von der Stadt in Richtung Ölberg, fällt, kurz unter dem höchsten Punkt des Berges, ein breites mit Säulen versehenes Gebäude auf. Nun - weil die Mormonen auch hier in Jerusalem vertreten sein wollen haben sie eine eigene Ausbildungsstätte am Ölberg in ausgesprochen schöner Westhanglage gebaut.
Damit ist klar, wohin Teile der Mitgliedsbeiträge investiert werden ;-)
Der Ölberg liegt gegenüber der Altstadt, und am Fuß des Berges liegt der Garten Getsemani. Der Herkunft des Namens ist durch die Oliven und die dort angesiedelte Ölpresse bestimmt.
Auszug Bibel: Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete. Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!
Die Kirche hier ist nur knapp 100 Jahre alt. Erbaut zwischen 1919 und 1924 heißt sie „Kirche der Nationen“, im Inneren findet man an der Decke, in Kuppeln, Malereien bzw. Flaggen, welche für die einzelnen Länder stehen. Andere Länder haben Mosaiken am Boden gestaltet^
Wie bei anderen Kirchen wurde auch hier heilige Stätte auf heiliger Stätte gebaut. Ursprünglich im 4-ten Jahrhundert stand hier eine byzantinische Kirche, zerstört durch Perser. Die Kreuzritter haben neuerlich eine Kirche errichtet, Saladin zerstörte sie um 1200. Erst im Jahr 1919 begann der neuerliche Bau der aktuellen Kirche.
Die Empfehlung des Dumont-Reiseführers ist ein Tag für das Museum zu reservieren, die Praxis lässt dann doch noch drei Stunden zu, immerhin mehr als der Reiseveranstalter für die Besichtigung eines Teils des Museums, nämlich der Qumran-Rollen vorgesehen hatte.
Mit dem Bau des Museums wurde im Jahr 1965 begonnen, 2010 umfassend saniert und –es wirkt wie ein gemeinsames Werk der Juden der Welt. Weil – viele der Exponate sind Spenden von namhaften jüdischen Weltbürgern (aus Afrika, Asien, Ozeanien etc.), viele Gemälde unter anderem von Klimt. Hinzu kommt ein großer Trakt, der das religiöse und kulturelle Leben der Juden weltweit darstellt, so wurden Räume mit Synagogeneinrichtungen aus verschiedensten Ländern (z.B. Niederlande, Indien etc.) gestaltet, alle diese Einrichtungen haben Gemeinsamkeiten (Schrank mit Thorarollen an der Vorderwand der Synagoge in Richtung Jerusalem ausgerichtet etc.), unterliegen aber den lokalen architektonischen Einflüssen, d.h. sehen immer anders aus.
Am Beginn des Museums steht die geschichtliche Aufrollung der Region des heutigen Israel, beginnend mit Ausgrabungen der Urgeschichte, Steinwerkzeuge, Stoßzähne etc. Zum oben angesprochenen „gemeinsame Werk“ gehört auch die Mitarbeit von Freiwilligen.
Die Qumran-Rollen wurden um 1950 in Höhlen bzw. in Tongefäßen gefunden und stellen die älteste Bibelüberlieferung dar. Es sind Fragmente aus verschiedene Thora Rollen aus den Jahren 250 v.Chr. bis 40 n.Chr.
Die Taxifahrt zurück zum Hotel wird zu einem marktwirtschaftlichen Lehrbeispiel. Wo die Reiseführertheorie den Einsatz eines Taxameters empfiehlt, da dies billiger wäre als eine Pauschale, läuft die Praxis anders ab. 80 Schekel sind der Preis und es ist ein “Take it or leave it” Vorgang. Weil – Angebot und Nachfrage. Das Angebot vor dem Israel Museum um diese Zeit ist knapp, es ist das einzige Taxi. Somit sind es die 80 Schekel (ca. 20 €), dafür entsteht ein interessanter Dialog mit dem Taxifahrer, offensichtlich ein arabischer Israeli, er empfiehlt auch das islamische Museum. Ach ja – der Beleg für die Bezahlung der Fahrt? Nun, es ist nicht unbedingt die Regel einen zu erhalten.