Jordan, Kapernaum, Tagbha, Nazareth
Nächster Tag: Safed, Golan und Kibbuz
Posted on 12th Jan 2019
Der Wert des folgenden Bildes beruht darauf, dass es eine typische Zusammensetzung der israelischen Bevölkerung auf 30 Metern Länge darstellt. Kinder, eine Soldatin, einen älterer Mann und ein gläubiger Jude (mit Kippa).
Ungeachtet obiger Darstellung –es gibt etwas mehr als 1,5 Mio. arabische Israelis, in den Großstädten gemeinsam aber außerhalb der Städte befinden sich dich viele getrennte, d.h. arabische Dörfer und jüdische Dörfer.
Von Jerusalem auf ca. 800 Meter Seehöhe bewegen wir uns auf ca. -300 Meter, bei 0 Meter Meereshöhe gibt es eine Markierung am Straßenrand, es folgenden weitere Markierungen.
Die nächste Station ist jene Stelle bei Quasr el Jahud, wo Jesus im Jordan getauft wurde.
Mehrere Pilgergruppen, aus Amerika, Nigeria etc. stellen sich mit den Füssen auf ein vorbereitetes Plateau ca. 10 cm im Wasser des Jordan und sprechen Gebete, teils werden auch Taufen durchgeführt (Die Wasserqualität wird laufend kontrolliert). Natürlich entledige auch ich mich der Schuhe und Socken und wasche meine Füße im Jordan, das Wasser ist nicht unangenehm kalt.
Um 9 Dollar kann man sich ein Taufhemd kaufen, nebst anderen religiösen Utensilien. Am anderen Ende des Jordan befindet sich bereits Jordanien, unschwer an der Flagge zu erkennen, also ca. 15 Meter vom Ufer in Israel entfernt. Trotzdem – eine friedliche und entspannte Atmosphäre. Der Begriff “Fluss” ist übrigens ein sehr freundlicher im Zusammenhang mit dem Jordan, der einzige Zufluss zum Toten Meer führt heute ein Drittel des Wassers, welches vor 10 Jahren vorhanden war. Damit ist auch ein Teil der Erklärung dafür vorhanden, warum das Tote Meer immer mehr an Oberfläche verliert.
Weiter in Richtung Norden passieren wir eine Sicherheitskontrolle, wir verlassen die “Westbank” und kehren zurück auf “israelisches” Staatsgebiet. Die Kontrolle sieht derart aus, dass eine Polizistin und ein Polizist durch den Bus gehen, nach 30 Sekunden ist die Angelegenheit abgeschlossen und wir fahren weiter.
Bevor wir zur nächsten Station kommen etwas Grundsätzliches. Es gibt in der Bibel eine Reihe von Wundern oder wesentlichen Ereignissen. Ob das nun der Judaskuss am Ölberg oder die Fischvermehrung in Kapernaum oder die Verkündigung von Maria war – an vielen der Städte wurden Kirchen errichtet und diese Kirchen dienen nun als Stationen für Touristen und Pilger bzw. dem Verkauf von Devotionalien oder der kleinere Beherbergung von Mönchen im Kloster.
Sofern sich diese Kirche in einer Stadt befindet ist überall, rund um diese Stätten ein Markt mit den üblichen Devotionalien, sowie Kaffee oder frischgepresster Orangen- oder Granatapfelsaft. Zum Preisniveau – ein kleiner schwarzer Kaffee. 10 Schekel/2,50 €. Also nichts für arme bedürftige Pilger!
Auszug Bibel, Matthäus 4: Da nun Jesus hörte, dass Johannes überantwortet war, zog er in das galiläische Land. und verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnte zu Kapernaum, die da liegt am Meer, an den Grenzen Zabulons und Nephthalims…
Kapernaum besteht im Wesentlichen aus der Ausgrabungsanlage einer Synagoge einem Franziskanerkloster und dem Zentrum, der Petruskirche. Wobei - die eigentliche Kirche ruht auf einer Stelzenkonstruktion unter der die Ausgrabungen durch eine Glasplatte eingesehen werden können.
Hier wiederrum – Priester tragen aus der Bibel vor, diesmal auf Französisch (der Bus am Eingang weist auf eine belgische Reisegruppe hin). Rundherum unter Bäumen sitzen die Gläubigen und hören andächtig zu.
Die Referenz zur Bibel – Kapernaum war vor 2.100 Jahren eine römische Grenzstadt zu Assyrien durch die eine Ost-West Handelsroute führte. Zudem war die Ansiedlung ein Fischerdorf. Also viele Durchreisende und an dieser Stelle predigte Jesus und trug damit seine Glaubensvorschriften in die Welt.
Zudem begegnete Jesus hier zwei Fischern, die er zu “Menschenfischern” machte, Petrus und Andreas. In Petrus Haus wohnte Jesus und dies ist auch Inhalt der oben angesprochenen Ausgrabungen (diese fanden um 1838 statt). Die Stätte wurde von den Franziskanern um die Jahrhundertwende gekauft, vermutlich brauchte das osmanische Reich Geld, oder es war ein Entgegenkommen gegenüber dem deutschen Kaiser Wilhelm der II, der in dieser Zeit sehr initiativ (Kirchengründungen, Investitionen) in der Region des heutigen Israel tätig war.
Etwas abseits an einem anderen Grund steht ein griechisch-orthodoxes Kloster, immer zu erkennen an den wohlgeformten Zwiebeltürmen, häufig vergoldet, hier in Rot.
Auszug Bibel Johannes 6: Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
Bevor wir zur letzten Station des Tages kommen, Nazareth, geht es noch nach Tabgha. Hier steht – neuerlich referenziert auf die Ereignisse im neuen Testament beschrieben, die Brotvermehrungskirche.
Heute ein Benediktinerkloster an dem Freiwillige aus Deutschland behinderte Kinder betreuen, dadurch gibt es auch zahlreiche Beschriftungen und Beschreibungen in deutscher Sprache.
An den Brandanschlag durch jüdischen Extremisten im Jahr 2015 erinnert nicht mehr viel, die Kirche beherbergt ein wunderschönes großflächiges Mosaik um die Verbindung zwischen dem Norden hier und Ägypten sowie der Fischvermehrung. Die Darstellungen stammen aus mehreren Zeitperioden rund um das 4-te und 5-te Jahrhundert.
Auszug Bibel, Lukas 4: Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um zu lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht.
Eine zweite Referenz:
Lukas 1: Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.”
Nazareth als Stätte für Maria Verkündigung sowie über vermutlich 20 Jahre Wohnort von Jesus ist heute eine mehrheitlich von Muslimen bewohnte Stadt, die zweitgrößte Religionsgemeinschaft stellen die Christen dar. Wie an anderen Orten in der Vergangenheit ging es hier sogar noch in der jüngeren Vergangenheit darum, wer das größte Gotteshaus baut, und aufgrund von Bauplänen der muslimischen Glaubensgemeinschaft kam es zu schweren Auseinandersetzungen worauf die Baugenehmigung für die Stätte der Moschee zurückgezogen wurde.
Neben solchen Themen – Nazareth ist eine Stadt wo man im Zentrum aber auch an den Ausfahrtstrassen kaum leerstehende Geschäfte sieht. Nicht unbedingt die sauberste Stadt aber eine wohlhabende Stadt, man hört sehr schnell mit dem Zählen der durchaus neuen Mercedes PKW auf. Übrigens hat Mercedes eine ausgesprochen dominante Stellung im Vergleich zu den anderen beiden deutschen Nobelmarken.
Das Kirchenareal mitten im Zentrum ist – in Anbetracht der engen Verbauung rundherum – wertvolles Grundstücks-Gut, ungeachtet des religiösen Hintergrundes. Der Vorhof zur Kirche wird von fast lebensgroßen sehr kunstvollen Mariendarstellungen aus jedem Land umfasst, die an der Begrenzungsmauer hängen. In diesen ca. 50 Darstellungen aus allen Kontinenten fließen die kulturellen Hintergründe es jeweiligen Landes ein, dadurch entsteht ein sehr stimmungsvoller Rahmen für die Kirche. Im Inneren der Kirche bzw. auch im Außenbereich kann man die Reste des Dorfes Nazareth sehen. Zu Zeit von Jesus haben etwa 400 Menschen hier in Höhlen gewohnt, sehr gut an den Ausgrabungen zu erkennen.
Etwas erhöht befindet sich eine zweite Kirche, die Josefs Kirche, auf den Grundmauern einer zerstörten Kreuzfahrerkirche aufgebaut. Dazwischen liegt neuerlich ein Kloster der Franziskaner (die uns schon wiederholt hier als Besitzer und Betreiber der Glaubensstätten begegnen).
Abschließend noch eine Bemerkung zu Nazareth, im Vergleich zur muslimischen Frauenbevölkerung in Jerusalem tragen hier deutlich weniger Mädchen und junge Frauen ein Kopftuch.
Hotelwechsel – es geht von einer städtischen, sehr internationalen 440 Zimmer Herberge in Jerusalem zu einem Kibbuz Hotel mit ca. 100 Zimmern in Galiläa. Worin liegen die Unterschiede?
Das Kibbuz Hotel ist jüngeren Baudatums, dadurch ergeben sich schon einige grundsätzliche Unterschiede in Bezug auf die Substanz mit welchen die Räume gestaltet sind, Mosaikboden im Kibbuz, profane Fliesen im älteren Hotel in Jerusalem. Aber abseits solcher Merkmale: Im Schrank steht eine Schüssel und eine kleine Kanne aus Blech mit hebräischen Schriftzeichen darauf.
Das Service-Personal ist freundlich, aber eher zurückhaltend, m.E.n. ähnlich den anderen orthodoxen Juden. Die Speisenauswahl ist etwas weniger vielfältig, aber noch immer sehr facettenreich, von Milchreis über diverse Süße-Speisen bis zu Joghurt und sicher 10 Käsesorten sowie Fisch und Gemüse. Bei den Speisen fällt auf, dass bei einigen explizit ein Schild dabei steht, dass diese vom Ober-Rabbiner geprüft sind. Ein Unterschied besteht auch in der Klientel. Waren im Hotel in Jerusalem sicher 90% der Personen Touristen außerhalb von Israel, ist es hier ein gemischtes Verhältnis. Etwa 40% Prozent israelische Individual-Urlauber, der Rest wiederum Urlauber von auswärts.
In Israel gibt es noch ca. 200 Kibbuzim. Diese „Genossenschaften“ entstanden, ab 1948 mit der Zuwanderung vor allem osteueropäischer Juden. Der Grundsatz des Kibbuz ist: “Gib was Du kannst und nimm was Du brauchst”. Viele Kibbuz müssen heute eine eher marktorientierte Position einnehmen. Das bedeutet unterschiedliches Gehalt in Abhängigkeit vom Beruf aber dafür wird weniger Gemeinleistung zur Verfügung gestellt. Diese Entwicklung findet statt, weil die Ur-Form des solidarischen Zusammenlebens funktionierte so lange gut wie die landwirtschaftliche Orientierung vorherrschte.
Aber das Geschäft ändert sich, Kibbuzim sind heute HighTech Firmen oder Hotels oder Mischbetriebe oder …. Damit ist es nicht mehr so einfach möglich allen das gleiche Gehalt zu zahlen, man muss differenzieren beginnen und so unterliegt diese Form des Zusammenlebens auch einem Wandel.
Natürlich kommt es vor, dass Kibbuzim in wirtschaftliche Schieflage geraten. In diesem Fall hat die Regierung gestattet Teile der Gründe umzuwidmen und als Baugrund zu verkaufen. Damit wurden einige Unternehmen saniert. Oder die Bank übernimmt den Kibbuz, damit sind die Bewohner dort „Angestellte“ der Bank.
Der Kibbuz Lavi, in dessen Hotel wir nächtigen, hat eine Gemeindegröße von ca. 700 Mitgliedern, bzw. ca. 250 Erwachsene. Es ist einer der Kibbuzim wo es erforderlich ist gläubiger Jude zu sein, d.h. seinen Glauben auch zu praktizieren. Von den oben beschriebenen, von außen aufgedrängten, Neuerungen ist der Kibbuz noch verschont geblieben. Der Grund liegt im kommerziellen Erfolg des Kibbuz, dieser erlaubt noch die sehr sozial eingestellte Haltung, am Gelände gibt es das wichtigste, vom Kindergarten bis zur Altersvorsorge mitten in der Gemeinschaft. Die Familien wohnen durchwegs in ca. 120 m² großen Reihenhäusern mitten in einem sehr gepflegten Park.
Woher kommt der Wohlstand? Zur Hauptsache von einer Tischlerei, welche Holzmöbel für Synagogen erzeugt und diese weltweit exportiert, ca. 6000 Synagogen zählen zu seinen Kunden. Daneben gibt es noch die klassische Agrarindustrie.