Klagemauer, jüdisches Altstadtviertel, Berg Zion, Grab David, Gedenkstätte Yad Vashem, Bethlehem
Nächster Tag: Nochmals Jerusalem
Posted on 12th Jan 2019
Dieses Stück Mauer ist deshalb so heilig, weil es geografisch nächst dem Heiligtum im zweiten Tempel liegt (der vor der Zerstörung durch die Römer 70 n. Chr. am Tempelberg stand) und die Juden daran glauben, dass Gott an dieser Stelle zurückkehrt.
Dieser noch erhaltene Teil des zweiten Tempels ist an diesem Tag von zahlreichen Betenden frequentiert. An diesem Tag sind viele Familien hier, an drei Tagen in der Woche wird die jüdische Firmung, „Bar Mitzwa“ bzw. für Mädchen „Bat Mitzwa“ gefeiert. Einige der Familien haben zwei Musikanten dabei, welche den Bub oder das Mädchen zum Eingang der Klagemauer begleiten.
Ach ja – im Jahr 2016 hat es ein Gerichtsurteil gegeben, welches Frauen gestattet auch den Bereich für Männer zu betreten. Tatsächlich findet diese Vermischung nicht statt. Nach kurzer Diskussion mit unserem Guide die Erklärung: Zum einen gibt es links in einer Nische einen Wachbeamten, der auch prüft ob Männer die Kopfbedeckung tragen. Wenn das nicht ausreicht stellen sich die männlichen Gläubigen in mehreren Reihen auf und sperren damit den Zugang für Frauen, so ist es geschehen und das Verhalten – hier zu stehen in Form einer Kette – ist ja auch nicht verboten.
Der Guide trennt beim Eingang zwischen Frauen und Männern, Männer mit Kopfbedeckung nach rechts, Frauen nach links. Für die Männer, welche keine Kopfbedeckung bei sich führen, wird eine kostenlose Kippa zur Verfügung gestellt (ein wenig erinnert es mich an italienische Kirchen im Sommer wo Frauen mit freien Schultern ein Tuch übergelegt werden muss)
Gegenüber der Klagemauer beginnt das jüdische Viertel, viele der Gebäude sind relativ neu. Synagogen, Hotels ein Modell des ersten Tempels – angenehm durchzuschlendern, zudem belohnt die Aussicht in Richtung Ölberg.
Weiters sieht man hier die Spendenfreudigkeit von reichen Juden, hier am Beispiel der Luxemberg family (Schrift am unteren Bildrand).
Der Berg Zion schließt südlich an die Altstadt an und beherbergt drei besuchenswerte Einrichtungen.
Beginnen wir mit dem Grabmal von David. Der ca. 2.000 Jahre alte Ort wird von den Juden als heiliger Ort verehrt. Das ist auch unschwer an den betenden Gläubigen zu erkennen, welche im Vorraum zum Grabmal ihren Gebräuchen nachgehen. Auch wenn die Authentizität der Grabstätte nicht bestätigt ist, aber es ist eine beeindruckende Stätte.
Die Bibel begegnet uns auch im gleichen Gebäudekomplex in Form des letzten Abendmahlsaals, d.h. der Raum in dem Jesus mit den Jüngern vor seiner Kreuzigung feierte.
Nächst dem Gebäude befindet sich die Dormitio Kirche. Hier soll Maria gestorben sein: Wie häufig in der Geschichte haben wir hier eine Abfolge von „Sieger baut eine Kirche seiner Religion auf den Trümmern der heiligen Stätte der Besiegten“. Byzantiner – Perser – Kreuzritter – Muslimen. Erst im Jahr 1898 wurde der Ort vom deutschen Kaiser erworben und den Benediktinern übergeben. Damit wirkt die Kirche zwar alt, ist aber ein recht neues Gebäude im Vergleich zu den Artefakten der Umgebung.
Dieses Zentrum für die Aufarbeitung der Holocaust Verbrechen bemüht sich um Balance. Es geht um das Gedenken an und Symbolik für die Ermordeten. Gleichermaßen Dank an jene welche in höchster Gefahr Menschlichkeit gezeigt haben und Juden gerettet haben. Daneben geht es um eine Aufarbeitung der Ereignisse, beginnend mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und dem zuvor bereits existierenden Antisemitismus, jedem Jahr wird zumindest ein Raum gewidmet.
Es endet mit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 sowie einem beeindruckenden Ausblick in die grünen Hügel von Jerusalem.
Gerade als jemand mit Deutsch als Muttersprache sind die Bild und Tonaufnahmen aber auch die Zeitungen und Bücher in der Ausstellung ein beklemmendes und bedrückendes Zeugnis für eine nicht so weit zurückliegende Vergangenheit.
Viele Besucher, viele Führungen, viele Jugendliche – ein belebter Ort und es ist gut so. Die folgende Skulptur beschreibt den drohenden Untergang der Juden im Holocaust und der Wiederauferstehung in Israel.
Definitiv braucht man in der Stätte, gegliedert nach jeweils einem Jahr und Themen mehr als drei Stunden, viel Ton – und Bilddokumente erfordern mehr Aufmerksamkeit und Zeit als uns im Rahmen der Tour zur Verfügung steht.
Bethlehem ist eine unmittelbare Nachbarstadt von Jerusalem und doch getrennt. Sie liegt in der sogenannten „Westbank“ und ist von Israel mit einem Zaun getrennt, hier in Jerusalem über eine Länge von ca. 25 km sogar mittels einer Mauer, bis zu 8 Meter hoch. Durchsetzt ist die Mauer von Checkpoints, über diese kommen viele Bewohner des Westjordanlands (Westbank) nach Jerusalem bzw. in die Umgebung und arbeiten dort.
Diese Stadt mit ca. 200.000 Einwohnern wird von ca. 20% Christen und ca. 80% Muslims bewohnt. Der Anteil der Christen hier ist der mit Abstand größte im palästinensischen Gebiet. Dies hängt auch mit der Dichte an christlichen Kirchen und Hospizen rund um die Geburtskirche, Orthodoxe und Katholiken ebenso wie Protestanten zusammen.
Was fällt auf? Fast ausschließlich arabische Bezeichnungen an den Läden, viele kleine Geschäfte statt Supermärkten, Autowaschanlagen durchwegs manuell mit geringem Wassereinsatz, und im Erdgeschoß der an der Straße liegenden Häuser eingebaut.
In Bethlehem am Hauptplatz befindet sich ein großer Kunststoff-Christbaum. Nachdem der Christbaum keinen gläubigen Zweck für muslimische oder jüdische Menschen hat, steht er nur aus zwei Gründen hier: Als Attraktion für Touristen und Pilger und als Selfie-Hintergrund für arabischen Familien. Etwas unbehaglich - mehrere bettelnde Kinder am Hauptplatz.
Um zur eigentlichen Geburtskirche zu gelangen muss man an einer Reihe von Verkäufern von Kreuzen, Rosenkränzen, geschnitzten Krippen und anderen Utensilien vorbei. Den Vogel allerdings schießt dieser Laden am Hauptplatz von Bethlehem ab, drei Weihnachtsmänner, die sich zu Jingle Bells bewegen.
Hat man die Kirche betreten, dann wartet die zweite Hürde, eine sehr lange Schlange an anderen Personen, welche den Geburtsort von Jesus und den Ort der Krippe besuchen bzw. den Stern von Ersterem berühren wollen.
Die Wartezeit beträgt in Summe eine Stunde, der Guide verkürzt sie mit Erzählungen von den russischen Ikonen, ein Geschenk der Familie Romanoff, von den seit ca. 6 Jahre andauernden Renovierungsarbeiten die aber erst dann Fortschritte gemacht haben als die Unesco Organisation und Finanzierung übernommen hat, da sich die verschiedenen christlichen Konfessionen nicht einigen konnten.
Das ist keine unglaubliche Episode sondern Realität in Jerusalem und Umgebung und – es ist keine Erfindung des 20-ten Jahrhunderts.
Lt. Guide leben 2/3 vom Tourismus und Andenkenläden bzw. sieht man auch des Öfteren Einrichtungen von Kuwait oder Saudi Arabien, d.h. es gibt auch Nachbarschaftshilfe.
Am Eingang zur Kapelle verkauft ein orthodoxer Priester Kerzen, und es ist klar: Das Seelenheil ist auch hier ein Geschäft.
Abschluss – Heimfahrt in Richtung Jerusalem, allerding verhindert eine Straßensperre in Bethlehem das Vorankommen, für ca. 10 km in Summe sind es am Ende über eine Stunde Fahrtdauer.
Auf der anderen Straßenseite kommen mehrere Quads entgegen, mit vier großen libanesischen bzw. palästinensischen Fahnen und mit schwarz/weißen Tüchern vermummten Männern darauf, gefolgt von Radfahrern (zwei Personen auf einem Rad) mit ähnlichem Aussehen. Jede politische Diskussion außer Acht lassend - vertrauenserweckend sind diese Gestalten nicht. Das Ganze wird aber von einzelnen palästinensischen Polizisten begleitet, daher gab es auch keine Probleme.
Nach der Ankunft im Hotel noch kurz in Richtung Altstadt, diesmal ein anderes Tor, das „Lions Gate“. Der Gedanke dahinter ist: Die Altstadt von einer anderen Seite zu erwandern. Nun, das ist keine besonders gute Idee wenn man sich in bereits etwas dunkleren Gassen an Gruppen von Jugendlichen vorbeizwängen soll deren Stimmung nicht unbedingt das „You are welcome“ vermittelt. Also zurück den bereits bekannten weg und raus aus der Altstadt. Der Weg vom Hotel in Richtung „Herods Gate“ führt über die Nablus Street in die Salah e Din Street, die Geschäfte arabisch.
Und das neue Jahr? Hat hier de facto keinerlei Bedeutung, nur Gäste oder Angestellte fremder Unternehmen feiern dem Jahreswechsel.