Florenz - der Besuch bei einer vielseitigen Italienerin
Posted on 1st Jan 2020
Der Arno, der Hauptfluss in der Stadt. Links und rechts des Gewässers gibt es eine Uferpromenade ("Lungarno") für Fussgänger und Radfahrer, dies zulasten der Breite der Straße für PKW aber definitiv ein Gewinn. Hier scheint wärmende Sonne, selbst wenn in den Straßen Schatten und winterliche Kühle vorherrscht.
Sie wird von mehreren umfasst von dort erhält man einen vorzüglichen Überblick über die Altstadt.
Auf einem der Hügel liegt San Miniato, eine Kirche mit angeschlossenem Kloster, eine Benediktiner Abtei. Die Kirche ist nicht besonders groß aber mit unglaublich viel Liebe zum Detail und Feinheit ausgeführt. Die romanische Kirche aus dem 11-ten Jahrhundert wurde - wie auch andere Kirchen der Stadt - mit einer Fassade aus weißen und grünen Marmor verkleidet. Sie entstand um 1100 - 1200 als die Zunft der Tuchkaufleute für Unterhalt und Betrieb der Kirche verantwortlich war. Es ist nicht die einzige Kirche in Florenz wo einem ein Gefühl des schlechten Gewissens beschleicht, wenn man den wunderschön gestalteten Fußboden betritt.
In der Krypta ein Sarg, der Gebeine des heiligen Minias beherbergen soll, dem Märtyrer, dem die Kirche geweiht ist.
Hinter der Kirche befindet sich ein großer Friedhof, kunstvolle Grabstätten und Zypressen-Alleen machen diesen mehr zum Park als zur letzten Ruhestätte.
Wandert man in Richtung Nordosten, erreicht man die Piazza Michelangelo. Eine große Aussichtsplattform, ohne Eintrittsentgelt zu besuchen. Zur Dämmerung haben sich hunderte Besucher eingefunden, sitzen auf den Stufen, hören dem Strassenmusikanten zu und beobachten wie die einsetzende Dunkelheit die Lichter in Florenz einschaltet.
Natürlich bieten Strassenhändler T-Shirts und Schlüsselanhänger an, den preislichen Vogel schießt ein Kastanienverkäufer ab, satte 5 Euro werden für ein viertel Liter hier am exponierten Ort mit dem David verlangt. Zudem gibt es nicht viele warme Snacks, und es setzt Abendkühle ein, daher findet auch dieser Verkäufer seine Kundschaft. In dieser Jahreszeit ist die David-Statue nicht alleine, ein hübsch beleuchteter Weihnachtsbaum hat sich dazugesellt und ist auch von der Altstadt als Stadt-Leuchtturm gut zu erkennen.
Verlässt man diesen Aussichtspunkt in Richtung Arno, am besten die Rampe Giuseppe Poggi nehmen, auch im Winter sind die hier eingebauten Wasserspiele bzw. Brunnenanlagen ein hübscher Anblick.
Der Abend in dieser Innenstadt während dieser Weihnachtstage ist hell erleuchtet und die große Zahl an Besuchern überrascht. Viele Italiener, die deutsche Sprache ist in der Minderheit, aber viele Besucher asiatischer Prägung fallen auf sowie die französischen Individualtouristen (an den PKW-Kennzeichen erkennbar).
Es ist als ob der Winter vor Florenz kapituliert: Eisdiele haben geöffnet und es wird eifrig konsumiert, Strassengeschäfte verkaufen mit lokalem Schinken gefülltes Brot, hier eine Spezialität und man stellt sich sogar in Schlangen an. Es gibt hohe Besucherfrequenz, die Gastgärten werden von Gaslaternen unterstützt aber selbst offene TukTuks sind unterwegs.
Florenz steht in mehrfache Hinsicht unter chinesischem Einfluss. Zum einen ist Prato nicht weit und wenn Sie Mr. Google nach "Prato chinesische Textilfabriken" befragen, dann erhalten Sie spannende Ergebnisse. Selbst wenn Sie das Datum der Ergebnisse auf die letzten 12 Monate beschränken, wird auffallen, dass es dort mehrere tausend registrierte chinesische Unternehmen gibt. Wo findet China noch statt? Wenn sich fernöstlich wirkende Hochzeitspaare vor dem Dom in vielerlei Posen von zwei Photographinnen ähnlicher Herkunft ablichten lassen. Oder wenn in den Uffizien chinesische Kleingruppen sich von Landsleuten als Guides über die Renaissance berichten lassen.
Den Gipfel an Skurrilität - aber dieser Begriff ist nur unter dem persönlichen Eindruck des Erzählers zulässig - liegt vor, wenn vier Mädchen mit musikalischer Untermalung vom Smartphone sich von mehreren engagierten Personen filmen lassen. Die neuen Götzen - die Clicks - benötigen noch die alte religiöse Umgebung.
Apropos - der Handel. Wir sprechen hier von einem Sonntag in einem tief katholisch gefärbten Länder der Welt. Die Hauptstraßen um 18 Uhr am Sonntag sind voll, die Geschäfte geöffnet. Ähnlich anderen größeren Städten zieren ebenso gewachsenen Türsteher in elegantem Stoff diese Tempel und sorgen für das Öffnen der gläsernen Eingangstüren - sofern nicht Elektronik diese Aufgabe übernimmt.
Nun könnte man meinen - das Angebot erzeugt die Nachfrage, aber natürlich ist das historische Erbe der Stadt für die Zahl der Besucher verantwortlich. Eng wird es hier in der Hauptstraße der Fußgängerzone oder an der Ponte Vecchio, durchaus auf dem Niveau bereits erlebter Besucherzahlen in Venedig rund um die Rialto Brücke.