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Samstag im Advent - das KHM in Wien ruft - Teil 1

 

Der zweite Samstag im Advent, der 8.12.2018, war ein sonniger, nicht allzu kalter aber dafür windiger Tag. Übrigens: KHM = Kunsthistorisches Museum.

Link zum zweiten Teil des Berichts

Posted on 9th Dec 2018

 

Wofür steht Wien, bzw. im Speziellen die Innenstadt in dieser Zeit?
Nun, es steht für Adventmärkte. Wien scheint der Hotspot für Adventmärkte zu sein, und das wissen auch unsere östlichen Nachbarn. Sowohl die PKW Kennzeichen in der Rathaus-Parkgarage als auch die vielen Sprachfragmente slawischen Ursprungs an der Oberfläche weisen an diesem Samstag auf 40-50% Besucher aus dem Osten hin. Die nächsthäufige Fremdsprache ist schon Englisch, viele Reisegruppen bevölkern den ersten Bezirk.
Und man kann nur sagen - Gott sei Dank hat Wien so viele Nachbarn auf Besuch, sonst wäre es wirklich fad auf den Adventmärkten!

Ein Ausflug in die Wirtschaft Übrigens gibt es auch hier die Auswirkungen der unterschiedlichen Lohnniveaus in der EU, "Tatort" ist der Weihnachtsmarkt an der Freyung. Ebenfalls sehr gut besucht. Ein Stand mit Keramikwaren, ich interessiere mich für ein Tee-Häferl, also ca. 0,4 Liter. Preis 19 €. Ein paar Meter weiter findet sich ein weiterer Stand, ähnlich hübsch bemaltes Häferl um 12 €. Es wird gerade eine Kunde bedient, also warte ich. Die Verkäuferin spricht entspannt ungarisch mit den Kunden, aha, interessant. Die Zeit nutzend schaue ich mich etwas genauer um und sehe ein kleines Schild, wo die Herkunft der Waren - nämlich Ungarn - angeführt wird. Damit ist der Preisunterschied erklärt.

Das eigentliche Ziel ist aber die Bruegel Ausstellung im Kunsthistorischen Museum, bzw. das Museum als Solches. In der Vergangenheit habe ich mich immer innerlich über die Öffnungszeiten der Museen auf meinen Reisen, d.h. in Valencia, Sevilla oder Lissabon etc. beschwert. Der Beginn um 10 Uhr wurde in klassischem Vorurteil von mir der südländischen Lebensart zugeschrieben, ich als Morgenmensch hätte zumindest eine Stunde früher als Öffnungszeit erwartet. Wie der geschätzte Leser bereits erahnt - auch das KHM, das kunsthistorische Museum öffnet um 10:00 Uhr.

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... und im Vordergrund des Museums: Ein Christkindlmarkt!



Das KHM beeindruckt in Architektur, aussen aber vor allem auch innen, und das nicht nur Kinder aus der Provinz. Imposant und an die einstige Größe der Habsburger bzw. Donaumonarchie erinnernd.

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Die Hauptstiege im KHM mit dem Hinweis auf die Bruegel Ausstellung

Einleitung

Aber wenden wir uns dem Museum zu. Die Ausstellungsstücke umfassen zwei große Gemäldebereiche im ersten Stock, geteilt in nördliche (Niederländische, flämische und deutsche Malerei) sowie südliche (italienische, spanische und französische Gemälde).Der Zeitraum umfasst das 14-te bis zum, 16-ten Jahrhundert. In diesen Phasen haben die kunstsinnigen Monarchen Stücke angekauft bzw. für die Erstellung bezahlt. In diese Auftragsarbeiten fallen insbesonders die Portraitmaler, Selfies war noch nicht so weit verbreitet.
Die Kirche als Mäzen sollte man nicht unterschätzen, vermutlich ist der Anteil der Gemälde mit religiösem Hintergrund ebenso groß wie der mit weltlichen Motiven.

Im Halbstock des Gebäudes wurden ägyptisch-orientalische Exponate gesammelt, weiters römische, griechische, etruskische und Stücke aus dem assyrischen Reich. Und nicht zuletzt die Kunstkammer, welche Münzen, Schmuck, Gefäße etc. umfasst, hier befindet sich auch die berühmte Saliera von Cellini.

Bevor ein paar Exponate erläutert werden, eine kurze Zusammenfassung:
Positiv:
- Die Exponate, die Bruegel Ausstellung
- Architektur im Inneren (In dieser Beziehung meine ich, muss es den Vergleich mit dem British Museum nicht scheuen)
- Eintrittspreis (mit 15 € erschwinglich)
- AudioGuide (perfekt in Bedienung und auch zu einem vernünftigen Preis)

Negativ:
- An der einzigen Kaffee und Kuchen ausschenkenden Lokation im ersten Stock des Gebäudes warten Gäste am Eingangsbereich wegen Überfüllung auf Einlass. So etwas ist mir bisher auf den doch zahlreichen Museumsbesuchen nicht begegnet. Sofern Sie also den Einkaufszentren entfliehen wollen und Besonderes sehen wollen was nicht käuflich zu erwerben ist, besuchen Sie das kunsthistorische Museum - und nehmen Sie sich mindestens 5 Stunden Zeit.

 

Die Bruegel Ausstellung

Die knapp 90 Gemälde und Zeichnungen beschreiben die Schaffensperiode von Pieter Bruegel dem Älteren (gestorben in 1569).

Was ist spannend?
- Es gibt einige Werke, die seiner Schule zugeordnet werden, d.h. aufgrund seiner Popularität schon zu Lebzeiten war er ein sehr gefragter Künstler, der auch Ausbildung vornahm. - Sehr alt ist er nicht geworden, fast entsprechend der Zeit damals ca. 40-45 Jahre. - Eines seiner Vorbilder war Hieronymus Bosch, unschwer an einem Bild unten zu erkennen. - Er war ein Meister des Details under versteckten Inhalte (das führt auch dazu, dass man sich an manchen Bildern und Zeichnungen auf 10-20 cm nähern muss um, die Inhalte zu erkennen).

Und ein Lob dem KHM - die Ausstellung ist, auch mit großflächigen Kopien der Bilder um die Details besser erkennen zu können, sehr gut umgesetzt. Es war sicher auch keine einfache Aufgabe einige der Bilder von anderen Museen zu leihen.

Die Anbetung von Jesus, Bruegel, 1564
Viele Gesichter zu Fratzen verunstaltet, der König im rötlichen Mantel im Vordergrund mit zu knapper Mantellänge aber überdimensionierten Ärmeln und fettigem Haar. Bruegel hatte schon eine Neigung zu skurrilem, hier im Bild hat er auf die sonst präsenten Details verzichtet.

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Bruegel, 1564

 

Die dulle Griet, Bruegel, 1562

Diese Bild beinhaltet viele Elemente von Hieronymus Bosch, einem seiner Vorbilder. Hier schreitet eine alte Frau mit Schwert und Rüstung durch das Bild, rechts davon folget eine Gruppe an weiteren Frauen, allerdings ohne Rüstung und kämpfen mit den Fabelwesen.
Man kann schon viel Zeit vor dem Bild verbringen, wenn man die einzelnen Teile des Bildes erkennen und analysieren möchte.
Beispielsweise verbergen sich rechts im Bild, hinter einem runden Fenster mit Gitter, zwei Affen, die Bruegel in weiterer Folge als eigenes Gemälde verewigt hat. Bei genauer Betrachtung wird klar, dass Griet die Fabelwesen in das riesige Maul eines Monsters treibt.

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Bruegel, 1562

 

Der Turmbau zu Babel, Bruegel, um 1560

Bruegel hat drei Bilder zum Turmbau erschaffen, alle aus unterschiedlichen Perspektiven.
Dieses Bild hier betrachtet den Turm von vorne, links oben nähern sich bereits die bedrohlichen Wolken.
Der Turm ist noch nicht fertiggestellt, links am Turm sieht man die helle Spur, welche der Kalk zieht, während er nach oben gezogen wird. Bruegel bildet öfters Folterwerkzeuge in den Bildern ab, einen Galgen oder das Folterrad, hier sind sie nur im Hintergrund auf einer Insel ganz kleine zu erkennen.

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Bruegel, 1560

 

Der Bauerntanz, Pieter Bruegel, um 1568

Dieses und ähnliche Bilder haben dem Maler den Ruf eines "Bauernmalers" eingebracht. Für uns sind seine Gemälde authentische Wiederhaben der damaligen Zeit.
Das Bild zeigt ein Fest von Bauern bei welchem aufgetanzt wird. Am Tisch, links im Bild, befinden sich Brot, Butter und Salz. In der Mitte des Bildes unterhält ein Mann mit Narrenkappe das Publikum und an dem Tisch links im Bild reicht ein Mann jemandem der sich nicht im Bild befindet, die Hand und stößt dabei ungeschickt an das Gesicht eines anderen Gastes. Das Bild verhält sich wie ein Foto, das eine aktuelle Szene einfängt.

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Bruegel, 1568


Die Bauernhochzeit, Pieter Bruegel, 1568

An einer Tafel sitzt mit zufriedenem Gesichtsausdruck die Braut. Der Bräutigam ist nicht zu erkennen, möglicherweise einer der Burschen, der die Speisen hereinträgt. Er hat am Kopf Schmuck, welcher typisch für eine Hochzeitsgesellschaft war.
Rechts im Bild am Tisch sitzt der Ritter und unterhält sich mit dem Mönch, daneben eine Person, die vermutlich den Notar darstellt.
Als Tablett für die Speisen dient eine Türe, dies ist am Scharnier zu erkennen.
Das Bild wurde übrigens nachbearbeitet, so wurde der Schambereich beim Dudelsackspieler nachträglich "entschärft".

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Rubens, 1622

 

Das Mädchen im Pelz, Rubens, 1638

Rubens war nicht der erste Künstler, der eine Frau im bzw. mit Pelz malte.
Aber zum Hintergrund des Bildes. Für die damalige Zeit war er sehr alt geworden, 63 Jahre. im Alter von 49 Jahren starb seine erste Frau und im Rahmen einer Auftragsarbeit lernte er vier Jahre später die Tochter eines Tuchhändlers kennen, Helene Fourment.
Sie war damals 16 Jahre alt und wurde die zweite Frau von Rubens.

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Rubens 1638


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