Das Schauspiel "Wut" - Premiere am Stadttheater Klagenfurt, von Elfriede Jelinek
Posted on 6th Jan 2017
Vermutlich ist es tatsächlich nicht möglich sich unvoreingenommen dem Stück zu nähern.
Als Österreicher(in) hat man meist ein Problem mit erfolgreichen Künstlern, die nicht dem heimatlichen Mainstream folgen oder sogar unverholen Kritik an der Gesellschaft, an Religion und - wie es Fr. Jelinek tut an der männlichen Dominanz übt.
Der Titel "Wut" steht für die Wut der Autorin angesichts ihrer Ohnmacht gegenüber der blindwütigen, narzisstischen Selbstermächtigung der Attentäter (siehe Booklet zum Stück).
Ihre Wut richtet sich auch gegen die von ihr identifizierten Urheber des Übels, und hier stehen vier Säulen. Zum Einen die männliche Dominanz und Eitelkeit die sich im phallus-ersetzenden Waffeneinsatz widerspiegelt. Die zweite Säule ist das nicht mehr beherrschende Internet, das neben grenzenlose Freiheit auch eine grenzenlose Plattform für Live-Bilder und Live-Videos von Morden bietet und für die Eitelkeit der Täter eine unendliche Ressource darstellt.
Die dritte Säule stellt die Position dar "meine Sippe ist die (einzig) richtige", ist die einige Überlebensberechtigte und das Erhöhen der eigenen Sippe über die anderen. Durch dieses irrationale Position können Gräueltaten jedweder Form gerechtfertigt werden. Und die vierte Säule stellt die Religion dar, zu deren Ehre so viel Grausamkeit geschah und noch geschieht. In der Kernfrage "Warum verhindert Dein Gott nicht die Gemetzel" drückt sich ihre allgemeine Haltung zur Religion aus.
Das Stücks widment sich den Anschlägen auf den jüdischen Supermarkt, die Redaktion des Satiremagazins in Paris und einem Kirchenanschlag (ich meine der "Peter und Paul" Kirchenanschlag in Kairo). Eingewoben in die Wiedergabe der Geschehnisse werden die Ursachen wie sie die Autorin identifiziert.
Die Schauspieler haben einen harten Job auf der Bühne und wechseln zwischen Opfer, Täter und Erzähler - und leisten beeindruckende Arbeit.
Trotzdem: Am Ende bleibt Ohnmacht und kaum Hoffnung auf Veränderung.
- Die mittig angeordnete Bühne (der Effekt die Zuschauer stärker einzubinden hat sich nicht eingestellt)
- Spannend wäre gewesen nach dem Stück für ene halbe Stunde eine Diskussion mit Regisseur und Schauspielern führen zu können