Die Schlussetappe, Evora und Toledo.
Posted on 1st Aug 2017
Next stopp: Evora. eine hübsche kleine Stadt (ebenfalls Weltkulturerbe) mit einem historischen Stadtkern, einem kilometerlangen Aquädukt, einem Diana-Tempel (römische Ausgrabungen sind sehr selten in Portugal) und einer beeindruckenden Kathedrale wo in einer Ausstellung mehrfach erwähnt wird, wieviel Kirchenschätze den napoleonischen Truppen (um 1808) zum Opfer fielen. Kurios und in dieser Form noch nicht gesehen: ein Beinhaus, die Wände und Säulen vollständig mit Knochen bedeckt und über dem Eingang eine alte Inschrift, die dazu einlädt auch seine Knochen vorbeizubringen.
Der Abend bringt sogar noch Musik in die Stadt. Am Hauptplatz spielt das Gulbenkian Orchester aus Lissabon, öffentlich, ein Teil der Besucher an Tischen beim Abendessen, ein Teil am großen Marmor Brunnen, andere auf den Balkonen.
Die Autobahnfahrt von Evora nach Toledo ist aufgrund des beschränkten Verkehrs angenehm und entspannt, sodass Zeit bleibt links und rechts die Umgebung zu beobachten. Also – fast nicht geglaubt aber mit eigenen Augen gesehen: Etwa 50 km nach der Grenze zwischen Portugal und Spanien durchlaufen große Erntemaschinen ebensolche Tomatenfelder und auf einem Förderband werden diese auf einem daneben herfahrenden Kipplaster geleert. Einige Kilometer später stehen an einer Fabrik drei solcher Laster, randvollmit Tomaten und warten auf Einlaß. So wird sie also vorgenommen, die Ernte für die Tomatensoße.
Final stopp: Toledo. Diese Stadt liegt am Tejo/Tajo, der selbe Fluss, der auch Lissabon wesentliche Gesichtszüge verleiht. Hier in Spanien umgibt er die Stadt in einem von schroffen Wänden gefassten Flussbett.
Die Stadt stellt einen wirklich lohnenden Abschluss dar. Hausfronten in den erd- und ockerfarben der Umgebung, Kirchen und Paläste mit Stilelementen und Inschriften dreier Religionen. Des Islam (ca. 600-1100 nach Christus auf der iberischen Halbinsel), des Judentums in Form der Sepharden (bis ca. 1500) und des Christentums. Moscheen wurden zu Kirchen, ebenso erging es Synagogen. Daher: die Museen besuchen (z.B. Synagoge el transito) und sich am lebendigen Geschichtsunterricht erfreuen.
Ebenfalls begehenswert: Das Haus, welches für den Maler el Greco der in Toledo lange kreativ warf, von einem späten Bewunderer erbaut wurde.
Ein von außen nicht sofort erkanntes Highlight ist die Kathedrale. Sie nimmt (im Gegensatz zu anderen so genannten Kirchen) leicht 1,5 Stunden Besichtigungszeit in Anspruch, ein gigantisches Gotteshaus mit ungeheurem Prunk und üppiger Gold, Silber, Holz und Marmoreinrichtung. Die meisten der ca. 10 Kapellen haben die Ausmaße von Kirchen in kleineren Orten. Im Chorbereich ist jeder Sessel ein Kunstwerk aus Holz mit einem Marmorüberbau, alle individuell gestaltet und für eine Ortschaft bzw. Gemeinde stehend.
Eine architektonische Besonderheit auf der Reise (teils auch schon in Salamanca vorhanden): die Balkone, aus Holz oder Eisen, mit fliesenverkleidetem Boden, teils mit Glas verschlossen.
Man könnte alleine mit den beeindruckenden Türen eine eigene Geschichte erzählen.
Woran man sich aber auch hier gewöhnen muss, die Stadt ruht auf Hügeln, daher freut man sich über die tiefstehender Sonne und den entstandenen Schatten wenn es wieder einmal bergauf geht. Auf einer Seite der Stadt befindet sich eine Sammlung von Rolltreppen die den Zugang zur Stadt deutlich erleichtern.
P.S. 250 km auf spanischen Autobahnen ohne Maut! Eine Wohltat für Portugal Urlauber.