Das Zentrum von Portugal - Lissabon und Sintra.
Posted on 1st Aug 2017
Das nächste Ziel Sintra ist nicht mit einem Attribut zu umschreiben. Überlaufen, chaotisch, die Heimstätte der TukTuks, babylonisches Sprachengewirr, verschwenderische Üppigkeit. Es gibt auf Schritt und Tritt Zeugen der Geschäftigkeit der Portugiesen, ob beim Verkauf von Wasser, den deutlich gestiegenen TukTuk Preisen gegenüber Tomar und den Parkplatzeinweisern auf öffentlichen Parkplätzen. Letztere erkennen den verzweifelten Gesichtsausdruck des, ob der engen Straßen, schon gestressten Fahrers und finden fast immer einen sicheren Hafen für das KFZ.
Man bräuchte tatsächlich einen vollen Tag um die wichtigsten Objekte zu besichtigen, insbesonders wenn man den Fuss/Waldweg von der Stadt bis zum Schloss Pena bzw. zur Maurenburg wählt. Sofern das Zeitkorsett keinen Tag zur Verfügung stellt: die Maurenburg ist aufgrund der Aussicht sehr empfehlenswert, die Landschaft und die angelegten Wege sind sehr nett, die Anlage ist weitläufiger als das Schloss Pena, aber dafür ist auch die Zahl der zu besichtigenden Innenräume faktisch null. An der Burg warten TukTuk Fahrer um die Personen zurück ins Tal zu bringen und unüberhörbar ist der Unmut, da das Angebot von nur wenigen Personen in Anspruch nehmen.
Aber zur nächsten Station am Berg. Das Schloss von „da Pena“ ist kein einfaches Kapitel. Kitsch und ein Stil-Sammelsurium, der Garten wirkt liebevoller angelegt und gefällt fast besser als das Schloss. Zudem - überall nur Selfiemenschen und das "überall" ist wörtlich zu nehmen. Daneben nimmt auch die Geschäftstüchtigkeit hier neue Formen an. Der Eingang in den Park von da Pena führt zu einem doch längeren Fußweg, bis man das Schloss erreicht. Ältere oder Personen die der Hitze des Aufstiegs entfliehen wollen können einen kleinen Bus besteigen, dies um 3 Euro! (Zusätzlich zum Eintritt). Also ein klares "naja, wenn man schon dort ist...".
Lissabon
Von Sintra nach Lissabon ist es ein Katzensprung. Das Hotel liegt im Bereich des neuen Geschäfts – bzw. Büroareals beim Messezentrum, dadurch ist weitgehend problemlose Anfahrt zum Hotel gewährleistet. Die Nähe zur U-Bahnstation Oriente ist ebenfalls ein Vorteil, es sind mehr als 5 km in das Zentrum und von dort noch einmal ca. 7 km bis Belem. Also sind öffentliche Verkehrsmittel oder private, entsprechend teurere, Transporteure eine empfehlenswerte Rahmenbedingung.
Ein ähnliches Bild hier wie in Porto. Um 22 Uhr herrscht Vollbetrieb auf den Straßen. Die Kehrseite dazu:
Erst ab 10 Uhr beginnt das Leben und das nervt ein wenig. Weil – die meisten Geschäfte öffnen erst ab 10, die Tourismusbüros (zumindest der erste Versuch nahe Gare do Oriente), Museen und Kirchen etc.
Die „Lissaboncard“ ist zwar interessant weil die Fahrpreise für meisten öffentlichen Verkehrsmittel enthalten sind. Aber es ist nur an 3 Tourismusbüros der Eintausch der online gekauften Lissaboncards möglich. Eine Frechheit sondergleichen, man muss also ein Öffiticket zahlen um überhaupt zum Eintauschen der Gutscheine zu kommen. Außer man nimmt 1,5 Stunden Fußweg in Anspruch. Dank „Europa“ kauft man online von einer Firma mit holländischer Domain, die offensichtlich nur mit 3 Tourismusbüros einen Vertrag hat. Freier Markt zu Lasten der Konsumenten, aber wer weiß, vielleicht gäbe es nicht einmal das ohne unsere EU.
Der Highlight-Stadtteil Belém ist faktisch nur mit Bus oder Bahn zu erreichen, mehr als7 km aus dem Zentrum entfernt.
Vor dem Kloster zum hlg. Hieronimus brät eine 40 Meter lange Schlange in der sengenden Hitze daher sollte man sich andere Ziele suchen bis dieser Ansturm vorbei ist.
Daher die Aussicht vom Padrao dos Descobrimento genießen, diese ist tatsächlich beeindruckend und der kühle Wind lindert die Hitze. In den umliegenden Parks werden neben den üblichen Getränken, gefrorenem Joghurt und Eis vor allem Hüte, Sonnenbrillen und Tücher angeboten. Also zweckmäßig und dem Wetter entsprechend.
Zurück zum Hieronimus-Kloster. Kirche und Kloster sind auf jeden Fall sehenswert aber wenn man Tomar oder Batalha gesehen hat, dann nimmt man dies hier mit weniger Ehrfurcht wahr.
Eine Novität hat die Kirche des Klosters zu bieten. „Einschalten einer LED-Kerze an einem Opferstock via App“. Eine Kerze kostet 50 Cent, 2 Kerzen einen Euro etc.
Interessanter ist das Marine Museum, das in Teilen des Klosters untergebracht ist, weil es zwei Erkenntnisse bringt: Zum einen hat Portugal noch lange ins 20. Jahrhundert an Kolonien festgehalten, auch dafür noch in den 1970-ern Krieg geführt und dieses "rightsizing" ist sicher keine tolle Sache für das portugiesische Selbstbewusstsein wie auch für die Wirtschaft (auch wenn Österreich einen ähnlichen Prozess aber doch in kleinerem Ausmaß durchlaufen durfte). Die zweite Erkenntnis: Ein Staat, der Land-, Luft- und Seestreitkräfte zu finanzieren hat, tut sich heute sicher schwerer als noch vor 200 Jahren wo der Zugang zu billigen Arbeitskräften und ebensolchen Rohstoffen aus den Kolonien den schnellen Reichtum einiger ermöglichte.
Im Zentrum spielen neben Straßenbahnen die TukTuks eine wichtige Rolle. Von Zweisitzern bis zu Sechssitzern, Elektro- und Benzinbetrieben.
Da auf die Schnelle kein Ausflugsschiff zu finden war (im Gegensatz zu Porto, wo das eine leichte Übung darstellte), nimmt man eines der Linienschiffe auf die andere Tejo-Seite. 20 Minuten Meer Brise um 2,60 euro. Ein Hit.
Übrigens: preiswerte Natas (mit puddingähnlicher Creme gefüllte Blätterteiggefässe) gibts auf der Fähre um 1,10 inkl. Espresso. Nun erreichen diese natürlich nicht Qualität und Ruf des „Pasteirs de Belem“ aber nach der Besichtung der handgefertigter Befüllung durch Patisseure in Porto im Cafe Delta nähe des Bolhao Markts um 80 Cent (und diese schmeckten wirklich exquisit) glaub ich ohnehin nur mehr an eine Marketingmaschinerie und lehne es ab 1,30 für nicht Gesehen-Handproduziertes zu zahlen.
Am Tejo-Ufer haben am Abend Stände geöffnet, die neben diverser landesüblicher und teils dem Kitsch naher Touristenbefriedigung in Form von Hüten, Korkprodukten etc. auch Angenehmes für den Abend bieten. Sangria in verschiedenster Fruchtform und Gitarrenspieler die fremdklingende Rhythmen virtuos wiedergeben. Nach zwei Glas davon beginnt man die Welt deutlich entspannter zu sehen.
Bei aller entspannter südländischer carpe diem Einstellung und dem modernem Pomp, mit dem das neue Viertel rund um das Handelszentrum (Station Oriente) errichtet wurde (ja, es erinnert an Valencia): Am Abend wird man wieder in die Realität geholt, in der U-Bahn, wenn abgemagerte blinde Bettler um Almosen ersuchen oder am nächsten Tag in der Früh (d.h. vor 09:00) wo Obdachlose noch schlafend anzutreffen sind und vielerorts Uringestank in die Nase weht. Zudem sieht man auf der Bahnfahrt vom Zentrum nach Belem zahlreiche Lagerhäuser oder Firmenhallen die nur mehr aus Mauerresten, Graffiti und eingeschlagenen Fensterscheiben bestehen. Das heißt gewisse Stadtteile werden sicht- und riechbar vernachlässigt zugunsten anderer.
Die berühmte Fahrt mit dem 28-er ist tatsächlich sehr nett, die Karosserie weitgehend aus Holz und es werden Steigungen erklommen, die man der kleinen Bahn nicht zugetraut hätte. Um 08:30 ist die 28-er auch noch nicht überfüllt. Aber es muss nicht die 28-er sein, es gibt auch andere Linien mit welchen sich eine Fahrt lohnt. Wenn sie einen Spaziergang entlang der Schienen wählen, kommt ihnen sicher eine Straßenbahn unter.
Die in den Reiseführern empfohlene Burg bietet einen beeindruckenden Ausblick in alle 4 Himmelsrichtungen. Aber möglichst früh, d.h. um 9 Uhr am Eingang, sonst wird’s überlaufen.
Abschließend noch zu den Preisen: diese liegen ca. 20% über jenen in Porto, das beginnt beim Hotel und endet bei den Natas.