Nach Porto führt die nächste Etappe in den Süden, ins Landesinnere.
Posted on 1st Aug 2017
Die erste Station hier heißt Coimbra.
das Hotel liegt direkt am Fluss, daher fällt dieser zuerst ins Auge. Breit nutzbar gemacht für Sportruderer und Freizeitpaddler. An beiden Ufern, durch mehrere Brücken verbunden Parks für Familien und Freizeitsportler, alte schattenspendende Platanen erleichtern die Aktivitäten.
Beeindruckend aus zweierlei Sicht: Zum Einen gelingt es das Universitätsareal mit interessierten Touristen zu kombinieren (und zu finanzieren). Ein Museum mit ausgestopften Tieren aus der ganzen Welt, ein Wal-Skelett, ein Physik Labor mit praktischen Übungen, alte Hörsäle aus einer Periode vor ca. 120 Jahren und natürlich die wirklich alten Universitätseinrichtungen, die Kapelle und die Bibliothek. Man verläuft sich schnell und begegnet Studenten mit Büchern voll Markierungen mit Leuchtfarbe.
Zum Anderen bietet der botanische Garten trotz sommerlicher Hitze ausreichend alte, beeindruckend hohe und schattenspendende Bäume. Dank gefallenem Roaming kann man über Wikipedia und Google und den lateinischen Bezeichnungen an den Pflanzen auch einen Bezug zur heimischen Flora herstellen.
Eine Besonderheit vieler Häuser in Portugal ist der pyramidenförmige oder runde Lichtschacht am Dach, siehe das folgende Beispiel. Je verfallender das Haus, desto mehr Regen durch das kaputte Glas.
Ach ja – Coimbra ist auch die Stadt wo man österreichische Entenfahrer trifft. Konkret gibt es ein internationales Citroen 2CV und anderer Enten in Portugal und man trifft vielerorts die Teilnehmer. Eine kurze nette Unterhaltung mit einem Entenfahrer aus Gänserndorf (Kennzeichen GF). Mehr an Vogel-Planung gibt’s nicht ;-) .
Den Abschluss des Tages (inkl. Beginn am nächsten Tag) bietet Batalha. Dieser Ort scheint rund um Kathedrale gebaut. Drei Viertel des Ortes wirken nicht älter als 30 Jahre.
Ungeachtet dessen stellt die Kathedrale ein Reise-Highlight dar. Ein Teil des ca. 1380 begonnenen Baues ist zwar unvollständig, aber selbst dieser Bereich ist beeindruckend.
Die Kirche wurde anlässlich des Sieges des portugiesischen Heeres über das Kastillische errichtet. Die Unabhängigkeitsbestrebungen von Portugal haben erstmals rund um 1060 mit dem ersten portugieschen König Afonso Enrique (ja, ohne "l") begonnen und es gab während vieler Jahrhunderte mehrmals wechselnde Machtverhältnisse. In Guimaraes, am Fuss der Burg, befindet sich ein großes Denkmal (i.e. Statue) zu seinen Ehren.
In der Kirche befinden sich Grabmäler von Joao und seiner Frau Filipa von Lancastre (die portugiesisch-englische Bindung hat sich über Jahrhunderte erhalten, auf der Reise tauchen immer wieder Zeugen dafür auf).
Der nächste Tag bringt zwei beeindruckende Orte, zum Einen die Klosterburg in Tomar und Fatima.
Tomar ist eine kleine Stadt, ca. 1 Autofahrstunde südlich von Coimbra. Auch hier wurde der die Stadt durchströmende Fluss für Freizeit aufbereitet. Das Wasser wird aufgestaut, Niveauunterschiede mit kleinen Schleusen ausgeglichen, ein intaktes eisernes Wasserrad erfüllt fotodienlichen Zweck.
Die Klosterburg liegt auf einem Hügel, der sogar mit dem Auto befahren werden kann auch wenn die Parkplätze oben sehr rar gesät sind. Nun steht man vor der Wahl: Eine Stunde Aufstieg unter ambitionierter Sonne oder man wählt ein TukTuk. Die 2,50 Euro Auffahrt pro Person sind ein Argument, auch 5 Euro wären ok gewesen. Oben angekommen empfangen das Burgtor und eine gigantische Außenanlage.
Nach dem ersten Staunen geht es zum Kartenbüro und beim Eingang zwei junge Personen: "Hello, i am a volunteer and can guide through the castle and the choister". Ein ähnliches Angebot in Braga hat nicht gepasst, das Mädchen dort hat einen ausgesprochen belasteten, genervten Eindruck hinterlassen. Aber hier passte es und man erfuhr viel Hintergrund zum Leben hinter den Klostermauern, den (etwa) fünf Kreuzgängen, den Gründen warum kunstvoll im manuelinischen Stil verzierte Fenster im Abstand von1 Meter mit einer breiten Säule versehen wurden um sie zu verdecken. Warum Templer zu Pferd in die Kirche reiten durften, wodurch die Könige des 16 Jahrhundert ihrer Halbgott-Rolle Ausdruck verliehen und warum der Kreuzgang, bei welchem auch die Armenausspeisungen durchgeführt wurden sowohl Boden als auch die Säulen sehr bescheiden ausgeführt wurde und sich von den prachtvollen anderen Kreuzgängen unterscheidet. Man erfährt wie die Klosterräumlichkeiten geheizt wurden, warum Gäste an bestimmten Orten im Kloster schliefen und wie und wo die Zisterne Wasser zur Verfügung stellte.
Fatima: Nach etwa 45 Minuten Fahrtzeit erreicht man Fatima. Es gibt zumindest 12 Parkplätze, das bereits als erster Hinweis auf die Größe des Heiligtums. Am Alter der Gebäude ist zu erkennen, hier kaum historische Grundlagen vorhanden sind, sondern die Geschichte vor etwa 100 Jahren mit der Marienerscheinung vor den 3 Kindern begann. Ein paar Worte zur Frömmigkeit im Land. Ungeachtet der Besichtigungsmöglichkeiten von Kirchen, Klöstern und Kreuzgängen gibt es häufig Messen, die daneben zelebriert werden, manche davon in einer abgeschlossenen Seitenkapelle. Es nehmen Menschen unterschiedlichen Alters, ebensolcher Hautfarbe an der Messe teil. In mehreren Städten fielen Pfadfinder oder Gruppen von Kindern mit Priestern auf, d.h. die Kirche kümmert sich sichtbar um die Jugend.
Fatima ist eine gigantische Anlage, rundum mit mehreren Hektar großen Parkplätzen versehen um dem Besucheransturm Herr zu werden. Viele Gruppen von Priestern mit Gläubigen, in unterirdisch angeordneten Kapellen beim Messdienst, Ausstellungen moderner sakraler Kunst, eine etwa 20 Meter lange Feuerstelle wo Kerzen verbrannt werden und Marmor und Granit soweit das Auge reichen. Ein spezieller Weg wird von den Gläubigen auf Knien rutschend begangen, dies auf geschätzt 200 Metern Länge. Der moderne Prunk irritiert etwas aber es gibt auch einen positiven Aspekt. Wenn man einmal vor dem Dom in Padua die zahlreichen Stände von Händlern mit Heiligenbildern, Kerzen, Statuen etc. passiert hat, dann weiß man was kommerzialisierter Glaube ist. Hier gibt es dies überhaupt nicht, es wird in 2-3 Geschäften am Rand der Anlage verkauft aber das marktschreierische Element fällt weg. In der Kirche reguliert ein Ordnerdienst die vorgegebene Gehrichtung der Gruppen durch die Kirche, alles hat seine Ordnung.
Zurück an die Küste, noch einmal zum Atlantik. Peniche: ein kurzer Abstecher an die Atlantikküste lohnt immer, auch wenn die Gastronomie-Preise mit Küstennähe zu steigen scheinen. Eine Fischer-Surfer-Badestadt, ja, auch baden ist angesagt trotz des kühlen Atlantik. Wobei das Wort "schwimmen" angesichts der Stärke der Wellen wirklich vermieden werden muss.
Ab nun sollte man das Navigationsgerät mit "Autobahnen meiden" regulieren, oft fährt man den Atlantik entlang, unvermutet ein großer Parkplatz mit Gastronomie und einigen Stufen hinunter zum Strand wo Surfer ihr Glück versuchen. Am Wind und an den Wellen kann es nicht liegen wenn die Übungen noch etwas holprig aussehen. Die Aussicht von einer Anhöhe, die Sonne der Wind und die Geräuschkulisse der Brandung bilden eine beeindruckende multimediale Komposition, vergisst man nicht.