Es geht an den Atlantik, Porto
Posted on 1st Aug 2017
Porto: nun, es ist eine Großstadt, da gibt es nichts zu rütteln. Man ist immer geneigt Vergleiche zu bisher Erlebtem zu ziehen. Große Hafenstädte wie Istanbul, Catania oder auch Hamburg. Insbesonders während des Morgens, wo noch kein geschäftiges Treiben ablenkt. Es gibt Verunreinigungen der Straßen wie in Catania, viel baufälliges und abenteuerliche Dach Konstruktionen wie in Istanbul und die mit strengem Geruch versehenen Spuren der Nacht. Der Wind leistet seinen Beitrag in zweierlei Sicht. Zum einen fegt er Gestank von überquellenden Mistkübeln oder Urin aus der Stadt, zum anderen sorgt er aber auch dafür, dass, viele kleine Papierteile, belege etc. die die Straßen durchwandern. Es gibt Obdachlose in Parks und Bettler vor den Kirchen (allerdings weniger, als wenn man in Graz die Herrengasse bis um Franz-Josefsmarkt entlangschlendert). Aber alle diese aufgezählten Punkte zeigen nur die Realität und verdrängen den positiven Eindruck nicht!
Das Innerste von Porto (sowohl hinsichtlich der Lage am Douro als auch in Bezug auf die Anzahl der Einheimischen Flaneure wie auch der Touristen ist das linke und rechte Douro Ufer.
Südlich des Douro der Stadtteil Gaia, nördlich die Ribeira genannte Promenade. Verbunden sind die Stadtteile durch mehrere Brücken, die bekannteste ist die Ponte Luis I. Diese ca. 1845 entstandene Brücke besitzt zwei Ebenen, oben queren die Metro und Fußgänger und unten queren PKW und ebenso Fußgänger (aber auf deutlich weniger Platz, da enger). Unter der Brücke verkehren laufend die Ausflugsboote, die den Douro für ca. 1 Stunde befahren wie auch Flusskreuzfahrtschiffe.
Von der Brücke springen Jugendliche vor Publikum ins Wasser, zumindest an diesem Sonntag mit doch enormer Publikumsfrequenz.
Zuerst zu Gaia. Das Einprägsame war eine Prozession, welche die Frömmigkeit ein weiteres Mal dokumentiert. Die anderen Gelegenheiten wo dies sichtbar wurde ist der starke Andrang in verschiedenen Kirchen (auch wenn es Sonntag war) und die hohe Anzahl an Läden mit religiösen Symbolen. Zurück zur Prozession, folgende Reihenfolge: Am Beginn eine größere Gruppe an Trommlern und Trompetern. Sie geben Takt vor und sorgen für nötige Aufmerksamkeit im Publikum. Dann folgen der Priester und Messdiener mit den Weihrauchbehältern, danach ein paar städtische Würdenträger und eine Gruppe von Pfadfindern, die dezent aber doch Geld vom Publikum sammeln. Und nun der lange Tross von etwa 2 qm großen Holzplatten mit Blumengestecken und Heiligenstatuen, getragen von jeweils 4 Personen (ja, die neutrale Form hat schon einen Grund, es gibt auch reine Frauengruppen). Neben diesen 4 Trägern gibt es 4 Ersatzträger, weil - die Prozession führt quer durch den Stadtteil Gaia, in der Sonne und durchaus anspruchsvolle Hügel hinauf. Dauer geschätzt 2 Stunden. An den Fenstern der Hauser haben (meist) Frauen ihre Sonntagsdecken am Fenstersims ausgebreitet und folgen dem Umzug.
Nebst der Prozession in Gaia fallen natürlich Gastronomie und die Portweintempel ins Auge, schon sehr touristisch aufbereitet. Der erhoffte Fado Sänger ist ein Gitarrist mit angeschlossenem Verstärker, der an der Promenade bzw. Hafenmole in Gaia so positioniert ist, dass er eine Länge von 300 Metern bestrahlt. Und der Musikumfang umfasst das gesamte südeuropäische Weichmacher-Repertoire.
Zum Umfeld - Die Promenade/Mole ist sehr schön gestaltet, viel Stein, kein Asphalt.
Das Wasser: überraschend sauber, auch wenn Plastiksacke, Styropor und andere schwimmende Artefakte dort treiben, wo Strömung und Wind hin verdichtet.
Für Porto gilt natürlich dasselbe wie für viele andere portugiesische Städte, sie wollen bergab und bergauf erwandert werden, vor allem weil die Wände zum Douro steil abfallen. Aber die Verantwortlichen haben ein Herz für Kinder, alte Menschen – und Touristen und bieten Seilbahnen, Lifte und Kabinenbahnen.
Wer die Azulejos, die Fliesen und deren künstlerische Gestaltung übrigens den Lusitanern („Ureinwohner“) Portugals zuschreibt, befindet sich im Irrtum. Sie sind ein Erbe der maurischen Phase die – je nach Region auf der iberischen Halbinsel von etwa 700 bis 1060 bzw. ca. 1300 dauert. Aber zur perfekten künstlerischen Reife wurden sie hier gebracht.
In diesem Zusammenhang darf man den Bahnhof (Sao Bento) nicht übersehen mit seinen prachtvollen Wänden. Zudem ist das einer der Bahnhöfe, die mitten im Zentrum liegen und von dem man trotzdem nur wenig sieht, die Gleise verschwinden sofort in einem Tunnel und rund um den Bahnhof an den Steilwänden befinden sich Häuser.
Die letzte Station mit hervorragender Fliesengestaltung ist die Kathedrale („Se Cathedral“).
Hier verewigten sich Künstler im Kreuzgang und dank der Morgenstunde erhält man beeindruckende Lichteffekte.
Städtischen Überblick erhält man beim Turm Clerigo, nicht weit von der Kathedrale mit vielstimmigem Glockenspielwerk. Dies führt zu einer weiteren Besonderheit auf der Reise. Viel Glockengeläut wird in Form einer Melodie ausgeführt (und nicht einmal wurde eine MP3 Konserve bemüht).
Abschließend sei die Bootsfahrt am Douro ans Herz gelegt. Man versteht zwar die Lautsprecheransagen nicht, aber mit Reiseführer und Smartphoneapp funktioniert es ganz gut und die Runde ist trotz der erwähnten Baufälligkeiten einfach schön faszinierend.