Klein-Japan zwischen Graz und Bruck an der Mur.
Posted on 2nd Jun 2019
Rabenstein ist kein Tourismusmagnet wie Güssing, Hochosterwitz oder Schlaining, aber...
Auf Rabenstein läuft derzeit eine Ausstellung mit dem Thema "Japan". Klein und überschaubar, aber in der Kombination mit der Burg, der Aussicht und einer beeindruckenden Führung ergibt das knapp zwei Stunden spannende Unterhaltung.
Die "echte" Burg Rabenstein liegt oberhalb der heute begehbaren Burg, es wurde der Platz am Gipfel zu klein.
Als ich auf der Website der Ausstellung den Hinweise "Nur mit Führung" gelesen hatte, war ich etwas skeptisch, nach der Tour allerdings war klar, dass diese Ausstellung nur mit Führung zum Erlebnis wird.
Die Qualität des Besuchs gewinnt enorm mit dem kurzweiligen, aber nicht oberflächlichen Vortrag des Historiker-Guides.
Überragend groß ist Ausstellung nicht, zumindest in Bezug auf die Anzahl der Exponate, aber intelligent arrangiert.
Die Führung beginnt mit einem Überblick zur Burg und der Besichtigung des Barocksaals. Die Größe der Fenster, die Gemälde, die Höhe der Türstöcke etc. - Burgromantik wird entzaubert, alles wird schlüssig erläutert. Fast alle Räumlichkeiten sind barrierefrei erreichbar, Glas und Stahl dominieren die Liftkonstruktionen, die gediegene Ausführung umfasst Böden, Wände, Fenster, Decken, Stiegen, Geländer, eben alles, was zu einer Burg gehört.
Die Japanausstellung hat Ihren Ursprung in der geschäftlichen Aktivität von Werner Hochegger, der für den deutschsprachigen Raum und Osteuropa der Generalimporteur für Toshiba Klimaanlagen war. Aus dieser Tätigkeit heraus entstand eine tiefe Verbundenheit zu Japan. Übrigens werden die bewohnten Räumlichkeiten der Burg von 16 Wärmepumpen auf Temperatur gehalten - eine beeindruckende Leistung, wenn man von dicken Steinwänden und unisolierten Wänden ausgeht.
Es beginnt mit einem Überblick zu den gesellschaftlichen Strukturen im 12-ten Jahrhundert, der hierarchischen Ordnung mit dem Tenno an der Spitze, der Demontage der Macht des selben und dem Aufstieg der Shogun. Weiter zur Öffnung von Handelswegen um 16-ten Jahrhundert, am Anfang mit Portugal, später mit den Niederlanden.
Wir erfahren vom nach Osten getragenen Religionskrieg in Europa, von der daraus folgenden Abschottung für ca. 250 Jahre, diese mündete in technologischen und gesellschaftspolitischem Stillstand.
Danach die Öffnung um ca. 1850, die Rolle der amerikanischen Flotte, die wegweisenden Weltausstellungen in Wien und Paris sowie den österreichischen Ambitionen im Osten, die mit dem Selbst-Versenken des - einzigen - österreichischen Kriegsschiffes in der Region endeten.
Abschließend gab es noch eine Tee-Verkostung mit viel Wissenswertem in passendem Ambiente. Mehr möchte ich nicht vorwegnehmen, schaut bzw. hört es Euch selber an!
Noch geöffnet bis zum 04.August 2019.