Ö1 ist unverzichtbar - wegen Äthiopien!
Die Diskussion um die Rundfunkgebühr in Österreich ist eine zulässige aber ein Sender legitimiert diese anachrostische Einrichtung. Es wird berichtet über Macht und deren Missbrauch, degenerierte Strukturen mit Parallelen zu Unternehmen oder Staaten heute.
Posted on 7th Oct 2017
Am 07.10.2017 um 09:00 Uhr wurde eine Sendung im Sender Ö1 übertragen bei welcher höchste Aufmerksamkeit empfohlen war.
Die Zutaten zur Sendung stammen aus zwei Büchern, eines von Lore Trenkler, eine Deutsche die als Diätassistentin mehrere Jahre den Kaiser Haile Selassie bekochte. Das andere von Ryszard Kapuscinski einem polnischen Journalisten. Die wichtigste Zutat zu dieser Sendung allerdings war ein Interview mit Fr. Trenkler, kurz vor Ihrem Tod geführt.
Die Sendung vermittelt zwei Sichten, zum einen die sehr persönliche, dem Kaiser gegenüber wertschätzende von Fr. Trenkler. Nachvollziehbar aufgrund der ebensolchen Haltung des Kaisers ihr gegenüber aber durchaus glaubwürdig.
Die Sicht des Journalisten in der spannender Form geschrieben (Interview-Stil von Höflingen und Dienstnehmern dort) vermittelt eine sehr distanzierte und kritische Haltung. Das Buch wurde sehr kritisiert, konkret wegen mangelndem Wahrheitsgehalt der Darstellungen. Man darf aber ob überzeichneter oder auch falscher Darstellungen (wie dem Diener, dessen einzige Aufgabe darin besteht die Pisse es königlichen Hündchens von den Schuhen der Gäste zu wischen) nicht die Kernaussagen übersehen.
Und die Kernaussagen? Meiner Meinung nach sind das die folgenden:
- Die aktuelle Macht ist korumpiert und erstarrt im Bestreben den Zustand aufrecht zu erhalten der ihr Macht sichert. Damit entfernt sie sich von den "Regierten" (für die sie eigentlich da sein sollte).
- Die Macht ist vererbt oder "von Gott gegeben" (wird immer seltener)
- Der Staat zerfällt und es bilden sich neue Machtzentren. Zerfall aufgrund von internen oder externen Einflussen, begründet durch Religion oder wirtschaftliche Gründe (Rohstoffe, Meerzugänge etc.)
Nein, es sind die Organe/Personen denen der Kaiser (oder jeder Machtinhaber) am häufigsten sein Ohr leiht. Hier werden Samen gesät, die sorgsam gepflegt und genährt werden und irgendwann aufgehen. Daher muss man - um am Machtkuchen (der ja ein Steuer- und Rohstoffausbeutungskuchen ist) teilzuhaben - die Nähe dieser Personen/Organe/Einrichtungen/Medien etc. suchen.
Letztendlich kann man nur mehr sich selbst trauen und muss immer stärker Entscheidungen zu sich ziehen.
Die Lähmung beginnt. Dies wird in der Sendung vermittelt, wenn der Journalist über die 10 Dollar Freigaben durch den Kaiser berichtet, aber auch wenn die Diätassistentin von einem sehr strengen Budget für die Küche erzählt.
Und nun ersetzen Sie gedanklich den Begriff "Macht" den Sie hier zum Begriff "Staat" assoziieren, durch "Firma" oder "Abteilung". Die Religion spielt hierbei natürlich kaum eine Rolle aber alles andere ist stimmig und zeigt, dass Macht innerhalb der kleinsten Gremien bereits allgemeinen Grundsätzen unterliegt.
Die Sendung endet mit der Revolution und dem Sturz von Haile Selassie sowie dem Tod des Kaisers, - und dem letzten Gericht das Fr. Trenkler für ihn kochte.
a) Es gibt nicht die reine Wahrheit, es gibt keine Propheten ohne Eigennutz. Egal ob die Aussagen von Reichen und Schönen oder den revolutionären Armen vermittelt werden.
Daher: Immer mehrere Seiten hören, mehrere Sichten zulassen.
b) Es braucht eine starke Opposition, welche die Macht kontrolliert. Macht ohne Kontrolle korrumpiert, weil deren Entscheidungen nur mehr ihrer Erhaltung statt den Menschen dienen.
c) Danken Sie der Einrichtung einer Demokratie mit der Chance zu wählen.
Jede der Großparteien versucht mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben weil andernfalls deren Organe beim nächsten Machtwechsel einer unbarmherzigen Umfärbungsaktion ausgesetzt sein würden. Dann fließen Gelder nur mehr in bestimmte - neue - Richtungen. Um die Schalthebel weiter bedienen zu können werden unmoralische, teils leider diletantische Maßnahmen ergriffen und es gewinnen jene, die ihre Maßnahmen zur Denunzierung von Gegnern ausreichend dezent und glaubhaft vermitteln. Und Reformen? Eine Verwaltungsreform, den Staat schlanker aufstellen? - Sicher nicht, wer wird denn seine Wähler vergraulen.
Jede der Kleinparteien versucht an die Macht zu kommen um Macht und Gestaltungsspielraum für ihre Klientel zu gewinnen. Seien dies nun Bauern, Gewerbetreibende, Beamte etc.
Dies mit durchaus ähnlichen Versprechen wie sie von den Großparteien kommen. Und wenn die Spieler (egal ob Groß oder Klein) mit den Begriffen "Gerechtigkeit", "Vertrauen", "Fairness" als Rattenfänger agieren, dann verlieren sie bei mir jede Glaubwürdigkeit.
Daher vergessen Sie die Slogans sondern ergründen Sie wofür die Parteien stehen und ob sie zu ihrem Weltbild passen.