Tag 2 ist Altem und Modernem gewidmet, und dem Weg dazwischen
Posted on 2nd Apr 2018
Die Morgenstunde ist bestens geeignet um stark frequentierte Plätze zu besuchen. Beispielsweise den Picadilly circus
Ja, die Leuchtreklame wäre vermutlich noch eindrucksvoller in der Nacht, aber so es gibt noch Spannenderes auf dem Weg zum British Museum – China Town.
Der Stadtteil mit den Strassenschildern in chinesischen Schriftzeichen und wo chinesische bzw. den Nachbarländern entstammende Gastronomie sich abwechselt mit chinesicher Medizin. An bestimmten Straßenzügen hängen Lampions quer über die Straße, die Bilder aus Filmen werden hier von der Realität eingeholt. Die Zusteller von Gemüse sind auch offensichtlich asiatischer Abstammung, nur ein paar eilige Berufstätige oder Touristen haben sich auch hierher verirrt. Es wirkt tatsächlich wie eine eigene kleine Stadt in der Stadt.
Das British Museum würde es natürlich nicht geben, hätte es nicht die Kolonialisierung gegeben und GB als Seemacht. So wurden die Entdeckerschiffe häufig von Naturwissenschaftlern oder Künstler begleitet, die in der Prä-Fotografischen Zeit die exotischen Pflanzen und Tiere malten.
Viele Sammler bzw. Abenteuer-Sammler haben Ägypten, den mittleren Osten, die Akropolis und Indien um eine Fülle an Kunstschätzen erleichtert bzw. vor der Plünderung gerettet. Alles eine Frage der Perspektive und alle Sichten mit mehreren Körnern Wahrheit versehen. Wie bei vielen anderen Gelegenheiten ist auch hier der Geschäftssinn der Briten allerorts zu entdecken, mehrere Cafes, ein Restaurant und Merchandising Produkte im Stil des Steins von Rosetta bis zur ägyptischen Katze.
Umfangreich und beeindruckend ist die ägyptische Ausstellung, und falls der Leser den Vorgang der Mumifizierung nicht mehr präsent hat - die nächsten Bilder geben Auskunft.
Aber wie die Briten will auch ich fair bleiben – der Eintritt ist kostenlos und es wird nur des Öfteren um eine 5 Pfund Spende gebeten. Der Audio Guide vermittelt neben den konkreten Inhalten zu Exponaten auch viel Hintergrundmaterial, es beginnt bei den Sumerern in der Stadt Ur und endet beim Salzmarsch von Mahatma Ghandi. Man sieht eine der Figuren von den Osterinseln und viele Exponate aus dem nahen bis fernen Osten.
Weil Ostern ist - ein Exponat von den Osterinseln
Hier eine der größten Berühmtheiten - der Stein von Rosetta.
Trotz der mitunter zweifelhaften Art und Weise der Beschaffung muss man dem Museum attestieren, dass es derart umfangreich und interessant ist, dass ein ambitionierter Gang durch die Exponate mit dem Audioguide in den Öffnungszeiten von 10:00– 17:00 Uhr nicht imstande ist alle Räume abzudecken. Der Besuch begann tatsächlichem 09:45, das Museum öffnet die Ausstellungsräume um 10:00 und endet mit dem Ruf der Museumswärter mit „We are closing“. Übrigens – der Audioguide ist wirklich ein tolle multimediales Werkzeug, aber wie alle kleinen Tablet Computer (oder große Smartphones) hält die Batterie nur ca. 2/3 der Zeit. Übrigens – sponspored by korean air.
Wo man am in der Nähe von Themse und Tower tatsächlich kaum Armut und Bettler sieht, ist es – je weiter man in Richtung Norden und sich von der Themse entfernt – schon etwas realistischer aus. Ja, es gibt sie immer noch, die Lichtgestalten des Geschäftslebens mit meist schwarzem Lederschuhwerk, Anzug und weit ausladendem Schritt, den Oberkörper leicht nach vor geneigt und gewohnt zu überholen – und sei es nur zu Fuß. Aber die Verlierer in dem Spiel sind auch präsent, in Schlafsäcken, meist in Nischen und Hauseingängen hockend.
London ist auch in anderer Form mit dem mittleren Osten intensiv verbunden. Das beginnt bei dem Eigentümer von Harrods und endet bei dem Eigentümer des Shard, des 310 Meter hohen Büro-Restaurant-Hotel-Aussichtsplattformtempels, die Besitzer sind – über Unternehmenskonstruktionen getarnt – das Land Katar.
Man fährt nicht unbedingt wegen des ultraschnellen Liftes den Shard hinauf sondern vielmehr wegen der Aussicht!
Der Shard bietet im 72. Stock einen luftigen Blick über London. „Luftig“ weil die Konstruktion aus Glas und Stahl an einigen Stellen nach oben offen ausgeführt ist. Neben den Sehenswürdigkeiten von oben und den beginnenden Wäldern im Norden am Horizont, den Linien- und Ausflugschiffen auf der Themse kann man aber noch ganz andere Eindrücke sammeln.
Mehrere kleine alte Kirchen, die von modernen Gebäuden auf allen Seiten überragt werden, Häuser Fassaden die nur durch eine Stahl Konstruktion dahinter aufrecht erhalten werden. Dächer, die zu kleinen Parks umgebaut wurden, viel Grün auch in Innenhöfen aber ganz allgemein der Kontrast zwischen Gebäuden, errichtet vor den 1950-ern und den modernen Glas-Beton Emporkömmlingen.
Wenn die Dämmerung einsetzt, gehen deutlich sichtbare rote Lichter an Kränen, Hochhäusern und Sendetürmen an und je länger man verweilt, desto mehr Fenster werden beleuchtet. London verändert sich und bietet ganz andere Bilder als noch vor 30 Minuten. Empfehlung; die Karten vorab im Internet kaufen weil sie deutlich günstiger sind als beim Kassenkauf (10-15%).
Hier ein gelöstes Suchrätsel. Zwei Besonderheiten von oben: Eine verwaiste Hauswand (links oben) und ein eingeklemmtes Haus (rechts unten).