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Lanze für DSGVO brechen

Was stellt heute die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für uns dar?
Da wären ...

a) Die belasteten Unternehmen, die sich mit einem weiteren Hürdenparcours konfrontiert sehen.
b) Die EU Skeptiker, die alles verteufeln, was den Brüssel-Stempel trägt.
c) Die breite Masse, die mit den Möglichkeiten und mit den Rechten, die hier eingeräumt werden, wenig anfangen kann ("a brauch ma des?")
d) Einige - vergleichsweise sehr wenige - Konsumenten, die den sorglosen Umgang mit Daten abgelegt haben.
e) Alle an Ökonomie Interessierte, die sich fragen, warum der europäischen Wirtschaft im Konkurrenz-Massenlauf mit asiatischen Volkswirtschaften weitere Bremsklötze angelegt werden, wogegen sich Diktaturen und Preisdumper von der DSGVO nicht behindern lassen werden.

Also - eine kontroversielle Angelegenheit, aber warum ist es trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung?

Posted on 3rd Feb 2018

 

Die Argumentationskette "pro DSGVO" ist relativ einfach aufzubauen, beginnen wir beim Offensichtlichen.


Daten verkörpern Wert, je aktueller, je sensibler, je verlässlicher, desto wertvoller. Daten zu Menschen sind knappes Gut, sie können nicht beliebig vermehrt werden. Und Daten haben für verschiedene Organisationen oder Unternehmen einen unterschiedlichen Wert.

Das zweite Argument ist die logische Folge des ersten Punktes. Wo es Güter mit Wert gibt, existiert auch die Bereitschaft sich dafür einzusetzen und an rechtlichen Grauzonen zu bewegen oder Grenzen zu überschreiten. Jeder - auch ich - bin bereit für den entsprechenden Wert Grenzen von Moral und Recht zu überdenken.

Je mehr Wert man sammelt, desto mehr Macht darf man sein Eigen nennen.Sie wissen wohin zuviel Macht führt? Sie korrumpiert die Inhaber der Macht, sie sorgt dafür, dass die Machtinhaber sich erhöhen, sich als die wahrnehmen, die wissen und entscheiden können was richtig und was falsch ist. Sie führt dazu, dass man seine Einflussphäre, seine Umgebung als sein Eigen betrachtet.

 

Daher haben wir folgende Gleichung:

Daten (wertvoll) + Spielraum und Potenzial für Missbrauch = Machtmissbrauch. 


Gegenargumente?

Position 1 - "Wenn die Menschen von sich Daten (Meinungen, Bilder, etc.) im Internet öffentlich machen, dann müssen Sie auch damit rechnen, dass diese Daten verwendet werden."

Dem kann man nur zustimmen, auch wenn zwei Aspekte zu beachten sind. Zum Einen bleibt unrechtmässige Verwendung auch weiterhin rechtswidrig. Diese Grenze hat verbraucherfreundlich und scharf gesetzt zu werden. Zum Anderen kollidieren hier - durchaus bei allen Altersklassen, aber natürlich verstärkt bei Jugendlichen - das Bestreben nach dem "Dabeisein" mit dem "Abschätzen von Risiko und einem möglichen Schadenseintritt". Wer heute in der Schule, im Studium und selbst im Beruf nicht gewissen Online-Plattformen angehört, wird schnell in Richtung "Technologieverweigerer", "Neurotiker" etc. gedrängt.


Position 2 - "Von CIA über KGB bis zum IS wissen eh schon alles alles, daher ist´s auch schon egal".

Nun, der Position kann ich wenig abgewinnen, es gibt kein Schwarz/Weiß, sondern nur Abstufungen (wie auch die Rechtssprechung keine 100% klare und scharfe Disziplin darstellt).Im Rahmen dieser Grauzonen gilt es, sich für das eigene Leben möglichst gut zu positionieren (d.h. in der Früh in den Spiegel schauen können), auch wenn es mitunter zu Konflikten führt.

 

Sie meinen "Alles weit hergeholt?"


Nun, dann gebe ich Ihnen ein paar realitätsnahe Fantasien mit auf den Weg:

Szenario A) Bewerbung - digitale Diskriminierung

Sie haben weder einen LinkedIn Account noch einen solchen bei Xing und auch facebook konnte Sie nicht locken. Die Gründe dafür sind nicht von Relevanz. Sie bewerben sich für eine Stelle in einem Technologieunternehmen.
Der Bewerbungs-Chatbot wie auch der Recruiter scheiden Sie als potenziell interessanten Bewerber aus, weil jemand der von sich nichts öffentlich preisgibt etwas zu verbergen hat. Neben dieser verbergenden Zielgruppe erfüllen nur Pensionisten diese Eigenschaft, weshalb man das Geburtsdatum im Fragebogen getrost ignorieren kann. Oder aber die Person ist ein Technologie-Neurotiker, daher passt sie sowieso nicht ins Unternehmen. Übrigens sind alle Unternehmen in einem digitalen Wandel gefordert, daher muss es gar kein Technologieunternehmen sein.

Szenario B) Versicherung - digitale Preisdifferenzierung

Sie möchten eine Versicherung abschließen, es ist nicht von Belang welche das sein soll. Ein Social-Media Crawler durchforstet Ihre Gegenwart und Vergangenheit und kommt zu dem Schluß, dass Sie eine schlechtere Tarifstufe erhalten. Dies, weil Sie zu oft bei Fotos zu Feiern genannt werden oder weil Sie Downhill Mountain Biken und damit einer speziellen Risikogruppe angehören oder sich in der Nähe von zweifelhaften Etablissements aufhalten oder - noch schlimmer - mehrfach bei Demonstrationen auftauchen.

Szenario C) Verbraucherverhalten - digitale Bevormundung

Sie kaufen einen der topaktuellen digitalen Assistenten für das Wohnzimmer die, auf einen netten Assistentinnennamen hörend, alle Ihre Wünsche vom Mund abliest (abhört..).

Nun mit der neuen Bequemlichkeit des Zugangs zum shopping-Erlebnis ("ich shoppe, also bin ich") wird fleißig eingekauft, es werden Termine fixiert, Flugreisen gebucht etc.
Kaufen Sie Swimmingpool-Reiniger, bietet Ihnen ihr neues Spielzeug (glauben Sie...) eine Überprüfung der Eigenheimversicherung an und nennt gleich 3 Versicherungsmakler, die es geschafft haben hier gelistet zu werden ("Nur mehr 2 Stück lagernd...").
Sie kaufen nicht mehr Katzenfutter für Katzenbabies sondern für Katzen-Teens und erhalten ein Sonderangebot für einen alterskonformen Katzenbaum.
Das Spannende daran ist: Auch wenn Sie keinen Kauf tätigen wächst Ihr digitales Persönlichkeitsprofil aufgrund des Betrachtens eines Angebots, aufgrund des klicks auf einen Link, aufgrund der Dauer sie Sie auf einer Seite verbringen etc.)

Oder Sie streiten mit Ihrer Frau/ihrem Mann und aufgrund der Stimmlage eine Gewaltbereitschaft zu erkennen glaubt, erhalten Sie einen Risiko-Index 10 (statt bisher 0) auf der Verbrechenswahrscheinlichkeit-Skala. 
Kein Nachteil ohne Vorteil, sie bekommen vom passenden Partnerinstitut gleich adäquate Vorschläge, da Ihr Assistent ja erkannt hat worum es geht und nun einen Partner sucht der hier besser mit Ihnen harmoniert.
Aber Sie können auch Geld sparen. Sie brauchen die Einbrecher-Lampe nicht mehr, die derzeit zufällig im Haus an - und abgeht, um Anwesenheit während Ihrer 2 Wochen Urlaub in Griechenland zu simulieren. Die Einbrecher wissen sowieso aufgrund der Kalendereinträge im Cloud-Kalender, dass Sie auf Mykonos weilen.


Das Thema hier ist: "Bequemlichkeit siegt".

Aber bekämpfen Sie den Handlungs-Impuls und denken über Konsequenzen etwas länger nach. 

 

Ich bin schon neugierig darauf wie sich die Position in einem Jahr ändern wird.


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