Welcome to jokl's blog

johann.klug@gmail.com
klug.co.at

zoomin
Bildvergrößerung einschalten ('mouseover')

Zurück zum Blog

202605 Nach Polen und retour

Bahnfahren ist nicht immer entspannend aber es schärft die Sinne

Posted on 10th May 2026

Die Anreise - 7 und 14

 

Wie aus einer geplanten 7 Stunde 15 Bahnfahrt von Bruck an der Mur nach Breslau Hauptbahnhof in Polen eine 14-stündige Expeditionsreise wird.

Obwohl ich meine E-Mail-Adresse für die ÖBB Buchung angegeben habe, erfahre ich nichts von dem, was mich in Bruck an der Mur erwartet. Die geplante Abfahrtszeit des Zuges nach Wroclaw von 6:13 Uhr verschiebt sich auf 6:45 Uhr. Nun gut eine halbe Stunde ist verkraftbar.

Die Fahrt mit dem nächsten planmäßigen Halt in Wien Meidling wird in Kapfenberg gestoppt. Es bewegt sich eine Person in selbstmörderischer Absicht auf den Schienen und die Polizei ist unterwegs. schlussendlich hat das mit weiteren langsamen Etappen bis Wien eine weitere halbe Stunde gekostet.

Artikel15_s
2 Hiobsbotschaften



Artikel17_s
Abgesehen von Unterbrechungen ist Arbeiten im Zug wie HomeOffice



Während der Fahrt die nächste Hiobsbotschaft: Der Zug wird nicht weitergeführt, da es Streckenunterbrechungen zwischen Wien und der tschechischen Grenze gibt, daher Schienenersatzverkehr.

Der Bus verlässt um 9:45 Uhr nach dem Umladen des Gepäcks den Bahnhof in Wien. Der Fahrer bemüht sich nicht um weitere Verzögerungen, die Tachonadel fällt außerhalb der Stadt selten auf unter 100 km/h.

Artikel23_s
Die beste Sitzposition im Bus (abgesehen vom Fahrer)



Artikel25_s
Das ist Niederösterreich - Hoffnung für grünen Strom



Ich sitze im Bus neben einer Dame, die auch im Bruck an der Mur zugestiegen ist. Sie erklärt mir in gutem Deutsch mit polnischen Unterton glaubhaft, dass sie einmal im Monat ihren Bruder südlich von Breslau besucht und diese Form von Verspätungen hat es noch nicht gegeben. na immerhin ein Trost.

In Brezlav (CZ) angekommen stürmen alle Reisenden zum einzigen internationalen Kartenschalter.
Spätestens nun ist es traurige Gewissheit: Der Zug nach Breslau wurde einfach abgesagt und man muss mit der armen Angestellten dort die Reise nach Polen neu organisieren.

Artikel32_s
Ausreichend Verspätungen



Je nach Reiseziel gibt es unterschiedliche Zug Kombinationen für die Fortsetzung, die schnellste Route für mich in Richtung Breslau führt über Pardubice.
An sich würde der Zug erst um 13:20 Uhr fahren aber da ein aus Ungarn kommender Zug Verspätung hat, geht die Reise bereits um 11:45 Uhr weiter.

Artikel37_s
Eindruck 1 von der Fahrt



Artikel39_s
Eindruck 2 von der Fahrt



Man ist dann zwar nach ca. zwei Stunden in Pardubice allerdings fährt der Zug erst 15:54 weiter nach Breslau. Der Bahnhof in Pardubice ist eine Baustelle und man fühlt sich 30 Jahre zurückversetzt. Die Jausenstationen sind dünn gesät aber ein Automat spendet um 2,50 € ein Weckerl.
Wie bereits zuvor: der Gang zum Kartenschalter.
Die Dame dort bemüht sich mein Englisch zu verstehen und bedient sich einer übersetzungs-App. allerdings entwickelt sich ein skurriler Dialog. Ich frage ob es einen früheren Zug nach Breslau gibt, sie antwortet via Übersetzungsapp, dass der Bahnsteig noch nicht fixiert ist, an welchem der Zug abfährt. Skurril, aber freundlich.

Auch diesen Bahnhof möchte der Zug nicht pünktlich verlassen so wird aus 14:54 Uhr 16:14 Uhr.

Die Reise wird kurzweilig, zum einen, weil man dank Stromversorgung und gutem mobil Empfang problemlos arbeiten kann. Zum anderen, weil der Vierertisch gegenüber, eine etwas überdrehte junge Amerikanerin mit ihrer polnischen Mutter und zwei tschechische Studenten, sich ausgiebig über polnische und deutsche Dialekte sowie über Tierwelt und Flora von den States (wie die USA in Kurzform genannt werden) bis Australien unterhalten.

Schlussendlich wird es 19:10 Uhr Ankunft in Breslau Hauptbahnhof. Da sich in der Zwischenzeit der Hunger meldet und noch späteres Essen nicht empfehlenswert ist, wird es eine größzügige Breze von einem Laden mamens dobre prece am Bahnhof. Kartenzahlung kein Problem, die aussen knusprige, innen weiche Brezel schmeckt!

Artikel51_s
Hier die süsse Variante, es geht auch pikant.



Der Zug zu meinem Endbahnhof in Sroda Slaska fährt in 25 Minuten, daher noch schnell via polnischer Bahn App eine Karte kaufen.
Das gelingt und der Bahnsteig mit der Nummer 11 ist bereits mit Pendlern und Jugendlichen gut besucht.

Die Regionalzuggarnitur ist sowohl innen als auch außen unglaublich modern ausgestattet alles ist videoüberwacht. Sämtliche, auch kleinste, Haltestellen auf der Strecke haben elektronische, hochauflösende Displays wo die nächsten sechs bis sieben Züge angezeigt werden.

Artikel58_s
Moderne Zuggarnituren mit Fahrradtransport



Google empfiehlt auch die Bahn im Zusammenhang und verweist auf der Taxis am Bahnhof in Sroda Slaska.



Dort steigen sicher 30 Menschen aus und ich bewege mich zielstrebig zur vorderen Seite des Bahnhofs um die verbleibenden ca. 3 km nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen.
Und es gibt viele Parkplätze und auch Pkws, aber kein Taxi.

Damit beginnt sich Panik breit zu machen, bis ich auf der anderen Straßenseite, etwa 50 m entfernt, eine Haltestelle mit Wartenden sehe. Zwar ohne Zloty aber frohen Gutes für diese lastmile spreche ich eine junge Frau an und frage ob von hier der Bus in Richtung Sroda Slaska fährt. Die positive Antwort lässt hoffen aber als es um die Bezahlmöglichkeiten im Bus geht, wird es wieder stressig. Der Busfahrer nimmt nur Bargeld oder man hat eine App für den öffentlichen Verkehr. 
Die junge Frau erklärt sich bereit die Fahrtkosten für mich auszulegen. Ich gebe ihr im Austausch 1.40 Euro und wir sind beide zufrieden.
Übrigens war die junge Dame keine Polin, sondern Ukrainerin, die vor vier Jahren bei Ausbruch des Krieges den Osten der Ukraine verlassen hat.

Am Hauptplatz muss ich doch den Bus verlassen, weil dieser nicht weiterfährt, und die letzten 1.2 Kilometer werden zu Fuß zurückgelegt. Angesichts der 14 Stunden bisher, fällt das auch nicht ins Gewicht.

Warum überwiegt trotzdem das Positive:


Ich konnte netto ca. 6,5 Stunden sinnvoll arbeiten, fast die gesamte Zeit im Firmennetzwerk oder am Telefon.

Die freundlichen und netten Begegnungen in Tschechien und in Polen lassen den Ärger über die verlorene Zeit ein wenig in den Hintergrund rücken.

 

Sroda Slaska - Neumarkt in Schlesien

Es bleibt nur Zeit für ein paar flüchtige Eindrücke der Stadt.
Die Entstehung der Stadt geht zurück ins Jahr 1223. Über die Jahrhunderte hatte die Region mehrere Besitzer inkl. der Könige von Böhmen.
Selbst Napoleon hat hier genächtigt, also es ist geschichtsträchtiger Boden.

Artikel82_s
Ein mittelalterlicher Rtter, errichtet 1913 anlässlich Feiern zum 100 Hährigen Sieg über Napoleon.



Artikel84_s
Hauptplatz



Artikel86_s
Noch zu restaurieren



Artikel88_s
Bereits restauriert



 

Von Wroclaw/Breslau nach Bruck an der Mur mit 2 CZ Bahnhöfen.

 

Nun sollte man meinen das die Verspätung am 05.04 um einmalig Ausrutscher war daher frohen Mutes zum Bahnhof in Sroda Slaska. Dort erwartet folgende Informationen am Display: 10 Minuten Verspätung.

Artikel93_s
Display mit einer von mehreren Katzen am Bahnhof



10 Minuten sind kein Beinbruch, kein ernstes Problem. Der Anschlusszug in Breslau Hauptbahnhof sollte erreichbar sein und – angeblich – ebenfalls mit 15 Minuten Wartezeit abfahren. Daher: Am Bahnhof gleich den Bahnsteig erfragen bzw. erkunden.
Abgesehen von der äußerst intransparenten Darstellung (die Zugnummer nicht zu finden) am großen Display und kaum Personal welches für Fragen zur Verfügung steht, finde ich schlussendlich doch die Plattform von welcher der Zug in Richtung Prag abfährt.

Artikel98_s
Aus 15 Minuten werden über 30 bis zur Abfahrt


Allerdings auch hier bereits 30 Minuten Verspätung für diesen Zug. Nun wird es bereits eng mit dem Umsteigebahnhof und dem Anschlusszug im Norden von Tschechien.
Die Stadt Usti nad orlici hat ein äußerst renovierungsbedürftiges Bahnhofsgebäude daher auch kein Person. Doch, es gibt eine kleine Bahnhofsrestauration, aber das war es schon.

Artikel102_s
Bahnhof in Usti nad Orlici



Es gibt auch hier keine brauchbare Beschilderung, von welchem Bahnsteig welcher Zug abfährt, man kann nur an den nervösen Gesichtern anderer Mitreißender lesen, dass auch sie auf einen Zug in die erwartete Richtung hoffen.

Der Zug in Ceska Trebova hätte natürlich nicht auf den kleinen Nahverkehrszug auf Polen gewartet. Aber Glück im Unglück: der Zug hat Verspätung, sogar 50 Minuten und dadurch dass jeder Zug Verspätung hat , kam ich nicht in die missliche Lage drei Stunden am Bahnhof zu sitzen, sondern schlussendlich den richtigen Endzug von Tschechien in Richtung Bruck an der Mur zu erreichen.


Artikel109_s
Bahnhof in Ceska Trebova



Die Fahrt wird in einem Ruhezonen-Wagon absolviert. Was das bedeutet, kann hier gelesen werden.
Angesichts des trinkfreudigen Lärms in den anderen Wagons ein toller Zufall.

Artikel114_s
Ruhezone nicht zu übersehen



Artikel116_s
Damit ist nun alles klar zur Ruhezone



Lesson learned / Empfehlungen:

 

 

 

 

 


nach oben