Welcome to jokl's blog

johann.klug@gmail.com
klug.co.at

zoomin
Bildvergrößerung einschalten ('mouseover')

Zurück zum Blog

202512 Grado Marathon der anderen Art

Ein wahrer Marathon, den sich der Tourismusverband Grado vorgenommen hat.

Posted on 27th Dec 2025


Zwischen 06.12.2025 und 06.01.2026 gibt es faktisch jeden Tag 1-3 Veranstaltungen.

Selbst heute am 26.12.2025. Ein Lauf - der Marcia Pannetone, ein Chor- und Orgelkonzert sowie eine interessante künstlerische Darbietung mit dekadentem Einschlag.
Ergänzend zu dem umfangreichen Programm haben in den letzten Wochen zwei Museen eröffnet. Der 'Tresor' von Grado und das Meeresmuseum di Archeologia Subaque

Und ein kleiner Eindruck von Triest unter dem Einfluss der Bora., damit wollen wir auch den kleinen Rundgang beginnen.

A) Triest und das weggewehte Publikum


Natürlich ist die Bora nicht der Grund für ausreichend Parkplätze und schlanke Besuchermengen auf der Piazza Unita. Obwohl es durchaus nachvollziehbar wäre. Die Bora bewirkt, dass sich eine Autotüre vollständig und durchaus schnell öffnet, wenn man die Türe ca. 15 cm öffnet. Oder sie sorgt dafür das "Parken Verboten" Schilder, umgeweht werden. Sie sorgt auch dafür, dass alle Kunststoffmülltonen an Laternenmasten gebunden sind.

Aber zurück zur überschaubaren Besucheranzahl und zu geschlossenen Christkindllmarkt-Verpflegungsständen. Der 25.12 ist der Feiertag in Italien, an dem Tag haben sogar lebensnotwendige Cafe-Bars nur für wenige Stunden geöffnet.

Ungeachtet dessen, sogar deshalb, ergeben sich erfreulich ungestörte Motive.


Artikel22_s
Krippe an der Piazza Unita



Artikel25_s
imposant



Artikel28_s
Ausblick aufs Meer



Artikel31_s
… und etwas später die Nacht und hinter dem Licht: Das Meer



B) Grado und sein Schatz - Museo civico del tresoro di grado



Hinter dem Wort 'Schatz von Grado' könnte der geschätzte Leser die Strandpromenade vermuten oder die Altstadt. Alles Irrtum, es geht um eine Ansammlung von Reliquien, die sich zu guter Letzt in Grado statt in Aquileia niedergelassen haben.

Der Eingang zum kleinen Museum am Platz Biagio Marin wird von zwei jungen Leuten bewacht, sie entpuppen sich als Kassier und Museumswächterin.

Im Anschluss an einen recht analogen Kartenkaufvorgang, es wir die Anzahl der Besucher und das Datum am Ticket mit Kugelschreiber geschrieben bietet sich dreisprachiger Geschichtsunterricht mit Bildmaterial und Artefakten.

Wie gefesselt sitzt man vor den Ansichtskarten in der 3 Meter Diagonale Multimedialen Show zu de Zeiten zwischen 1890 und 1910.

Die meisten davon in deutscher Sprache beschrieben, damals wurde der Grundstein für den Erfolg von Grado heute gelegt.


Artikel43_s
Die Lagune heute



Artikel46_s
Die Lagune vor 2000 Jahren



Il tresor', der Schatz ist eine Sammlung an Reliquien welche um 600 nach Christus von Aquileia nach Grado gebracht wurden. Die Langobarden waren weniger an heiligen Knochen von Märtyrern als vielmehr an den kostbaren Silberschatullen.

Wenige Jahre später, im Jahr 630, sandte der Kaiser von Byzanz dem Patriarchen von Grado Teile des wahren Kreuzes, ebenfalls hier zu besichtigen.

Die Schau beginnt im Erdgeschoß mit der Lagune vor 2.000 Jahren bis zum heutigen Tag. Die Entwicklung wird beleuchtet hinsichtlich der landschaftlichen Veränderungen als auch den von Menschen vorgenommen baulichen Maßnahmen wie Strassen und Kirchen.

Es gibt mehrere einschneidende Ereignisse bzw. Perioden, vom Einfall der Langobarden und der Flucht von Geld und Klerus nach Grado über die Verlagerung des Patriarchensitzes nach Venedig, von der französischen Besatzung bis zur österreichischen Regentschaft.



Dieser Stuhl ist ein Nachbau, das Original befindet sich in einem Museum in Venedig. Nicht zu sehen im Bild: Das Fach für das wahre Kreuz auf der Rückseite des Sessels.


Artikel57_s
Stuhl mit Geheimfach



Artikel60_s
Reliquien der Märtyrer von Aquileia



Das Museum ist nicht hypermodern aber mit Multimedia-Elementen und stilistisch sauber umgesetzt, es hilft die Gegenwart zu verstehen.


C) das Museum, welches um ein Schiffswrack gebaut wurde - Museo nazionale di archeologia subacquea dell'Alto Adriatico


Mit sicher 10 Jahren Bauzeit und damit gesteigerter Erwartungshaltung hat sich Grado keinen guten Dienst erwiesen. Eine kleine Ausgabe des Triestiner Aquariums würde man sich nun wohl erwarten dürfen. Nun, falsche Erwartungshaltung.

Das Erdgeschoß ist mit einer großzügigen Eingangshalle und einem Videoraum mit etwas zu langatmigem Film der Entdeckung und Bergung von Grado 2 ausgefüllt. Nun könnt man die Anwesenheitszeit des Publikums damit verlängern aber da es weder englischsprachige noch deutschsprachige Untertitel bietet, reicht der melodische Klang des italienischen nicht aus länger als 30 Sekunden zu verharren.

Also ab in den ersten Stock zu den Hauptdarstellern.

Es geht um die Reste des Schiffsrumpfs eines im zweiten Jahrhundert nach Christus gesunkenen Frachtschiffs, der Iulia Felix. Ca. 16 Meter lang, etwa fünf Meter breit, im ersten Leben vermutlich als Fischtransporter tätig, im zweiten Leben als Glas und Amphoren Frachter.


Artikel74_s
So oder ähnlich hat es ausgesehen



Artikel77_s

Reste des Schiffsrumpf



ber auch natürlich um dessen Inhalt, um Amphoren und den Inhalt um Wasserpumpen um den Inhalt der Fässer mit frischem Fisch am Leben zu erhalten, um nautische Geräte, um Glasteile und andere keramische Gegenstände. Unter die Fundstücke gaben sich auch Grabplatten gemischt.


Artikel82_s
Die Ladung



Artikel85_s
Amphoren und Grabsteine aus der Zeit



Artikel88_s
Ausblick innen



Artikel91_s
Ausblick nach aussen mit Anker



Eine dreisprachige Übersetzung wie im Museum zuvor wäre entgegenkommend gewesen, an zumindest einem Schild fehlt auch die englischsprachige Übersetzung.

Die Papierbehälter am WC quellen über, angesichts kosmetischer Größe könnte man vermuten, das Budget seit ausgegangen.

Das geschätzte Leserpublikum möge mich nicht missverstehen, dem Himmel sei Dank, dass das Museum die Schlechtwetterphasen stützt und endlich eröffnet hat. Aber nach so vielen Jahren hätte man mehr Präzision und etwas mehr Exponate erwartet.


Aber das Glas ist halbvoll, daher: Wissensvermittlung und Darstellung erfüllen ihren Zweck.

Und das Metallgerippe des Schiffsrumpfs ist ein metallurgisches Meisterwerk auch wenn ich mir vorstellen kann, dass es weniger aufwändig herzustellen wäre.


D) Die Lagune und das Leben - Museo della Pesca e della Civilta Lagunare



ein kostenloses Kleinod mitten in Grado.

Dieses etwa 80 qm große Museum beschreibt das Leben in der Lagune und schlagartig wird man sich seiner Undankbarkeit bewußt, dass wir in der Zeit in diesem Mitteleuropa leben dürfen.

Viel zu lange ohne ernsthaftem Überlebenskampf, übersättigt in körperlicher Hinsicht, verfallen in Geist und Moral.

Auch hier bitte ich die geschätzte Leserschaft um ein mildes Urteil, ich selbst kann froh sein bisher wertgehend wirtschaflich sicher und frei in Entfaltungsmöglichkeiten zu leben aber angesichts der Verhältnisse vor knapp 100 Jahren und des übersättigten Konsums heute fragt man sich unweigerlich ob die Lebensumstände heute auf Dauer aufrecht erhalten werden können.


Artikel109_s
Die Casone - Fischerhütten - seit dem 5-ten Jahrhundert nach Christus ähnilche Bausweise




Artikel112_s
Rührwerkzeug für Polenta




Die paar Worte eines Schriftstellers aus 1890 zeugen von Menschen die im Sommer und Winter in Schilfhütten wohnen, deren Lippen ob der Hitze und Sonnenbrände verschwunden sind. Keine Schuhe, Fischernetze die zuerst mit dem Sud von gekochter Kiefernrinde übergossen werden müssen um mehr als einmal zu halten. Frauen die mit den Kindern die Flussdeltas hinaufruderten um Fisch zu verkaufen. Selbst in den 20-er Jahren des folgenden Jahrhunderts war Analphabetismus nicht die Ausnahme sondern die Regel. Kinder hatten ab dem 5-ten/6-ten Jahr zum Lebenserhalt beizutragen. Es hatte sich eine eigene primitive Schrift entwickelt, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, durch diese wurden beispielswiese Preise für den Fischverkauf den Käufern vermittelt.

Über Jahrhunderte wurden von der Obrigkeit Fischeirechte in der Lagune und am Meer unter skurrilen und willkürlichen Umständen vergeben, ein kurzes Leben in Knechtschaft.

Da bleibt für Meer und Fischerromantik nicht viel Platz.


Artikel119_s
Das Bild als Zeitzeuge




E) Drei Events am Stefanietag


Hier der Zieleinlauf für die 3 Laufdistanzen, 5,10 und 15 km. Jung, alt und noch älter starten um 10 bei idealen Laufbedingungen

Artikel127_s
Der Zieleinlauf und anschließend wurden Preise verlost




Die zweite Veranstaltung findet in der Hauptkirche Eufemia in Grado statt. Eintritt gegen freie Spende, der Stadtchor mit einem Querschnitt von weltlicher, kirchlicher und weichnachtlicher Chormusik.


Artikel132_s
Die Kirche, vor Beginn der Veranstaltung




Artikel135_s
Kein Jugendchor aber dafür geerdet und bei kräftiger Stimme




Für uns Österreicher dort das Highlight. Stille Nacht, heilige Nacht.


Tolles Ambiente für ein Ewigkeitslied


Das dritte Event könnte einem femininen Freigeist entsprungen sein, eine Anklage gegen das patriachale Gängelband.

Es hilf nichts, meine Geschmacksknospen werden davon nicht inspiriert, wirkt merkwürdig und etwas dekadent, vielleicht in ich auch bereits zu alt dafür.

Ein Klavier auf Rollen mit Polizeieskorte und Ballerina.

Resumee


Ergänzend zu obigen Erläuterungen sollte man die 20.000 Schritte in lauer Meerluft unter milder Sonne nicht vergessen, nicht den Capuccino um 2,20 € und auch nicht das Schwimmbad mit angenehmen 30/31 Grad Salzwasser mit der Möglichkeit ungestört seine Bahnen zu ziehen.
Grado ist schnell erreicht für uns Österreicher, die Hotels bieten ausreichend Preis/Leistungsverhältnis und man entflieht Nebel und Minusgraden.

Falls mir jemand nicht glauben sollte, hier zwei Appetitanreger:

Artikel156_s

 

Artikel157_s


nach oben