Tel Aviv, Abflug und abschließende allgemeine Anmerkungen
Posted on 12th Jan 2019
Die Gründung von Tel Aviv geht in das Jahr 1909 zurück. Eine Stadt die trotz der Jugendlichkeit sowohl Alt wie auch Neu vereint. Die erste Reihe von Hotels zum Meer beeindruckt durch moderne Architektur, de facto nur Hotels mit dem Bemühen Meerblick bei allen Fenstern zu gewährleisten. Die dritte oder vierte Reihe an Bauwerken wirkt schon nicht mehr so aufgeräumt, hier gibt es viel alten Kern der hinsichtlich Bauzustand einiges zu wünschen übrig lässt. Trotzdem gibt es sehr viel Bautätigkeit. Jene Gebäude die aus den 20-er und 30-er Jahren stammen, müssen entweder saniert werden oder weichen und es wird der wertvolle Grund wolkenkratzend genutzt.
In den frühen Jahren hatte Tel Aviv ca. 3000 Häuser im Bauhaus Stil. Aufgrund der beträchtlichen Kosten für die Erhaltung hat man sich darauf geeinigt eine dreistellige Menge original zu belassen und ebenso bei ca. 150 Häusern Aus – bzw. Umbauten zu erlauben.
Seit vielen Jahren müssen Häuser Solarpanelen für Warmwasseraufbereitung oder zur Stromerzeugung aufweisen. Dies ist der Ausblick vom Hotelzimmer.
Zudem weist das Hotel noch eine interessante Besonderheit auf, es gibt einen Sabbat Lift, er hält während des Sabbat in jedem Stockwerk
Der ca. fünf Kilometer lange Strand ist in einzelne Abschnitte unterteilt, eine ausgesprochen großzügig breite Anlage, vom Norden von Tel Aviv bis Jaffa reichend.
Jaffa – der Ausgangspunkt im Jahr 1909 für die Gründung von Tel Aviv durch mehrere jüdische Familien mit dem Motto: “The ones who converted sand into streets“ (bzw. ähnlich).
Jaffa ist mehrheitlich arabisch bevölkert, sehr quirlig, Tel Aviv, mehrheitlich von Juden bevölkert und eher mondän. Und auch hier, am Übergang von Tel Aviv zu Jaffa befindet sich ein Kunststoffchristbaum und wie in Bethlehem kann man die Familien beim eifrigen Fotografieren beobachten.
Am Strand, nun ist Freitag, haben sich Musiker bzw. Gruppen von Gitarre bis zu Trommlern niedergelassen, in der Wiese liegen die Menschen und hören zu. Mehrere Beach Volleyballplätze, nun, da es bereits dunkel wird (auch hier ab ca. 17:30) unter Flutlicht, zum Anderen spielt eine Gruppe hier eine andere Form, nämlich den Ball nur mit Kopf und Fuß zu berühren.
Die angesprochene Promenade ist eine öffentliche Sportarena. Turn/Fitnessplätze und Jogger bestimmen das Bild, besonders am Freitag und am Samstag. Da möchte ich doch versuchen mitzuspielen. Die Laufschuhe, (natürlich die Schnellen ;-) ), sind eingepackt und los geht es. Auch wenn es schon dunkel geworden war, ist das kein Problem, viele Lampen, teils Flutlicht, die Temperatur noch 15 Grad.
Daher natürlich mit kurzer Hose. Die Garmin Uhr begleitet mich, ich habe mich schon sehr daran gewöhnt. Nach dem Lauf die Erkenntnisse: die Uhr belohnt mich mit einem Pokal-Icon für die schnellste Kilometerzeit und die schnellste 5 km Zeit (in Summe 8,8 km).
Die Bausubstanz bietet - wie oben schon erwähnt - Licht und Schatten.
In Israel gibt es verschiedenste Formen des Shoppings, klassisch im Einkaufscenter wie bei uns und orientalisch angehaucht. Das Thema „Bazar“ und „problematische Geschäftspraktiken“ kann ich nicht bestätigen, mit 200 Schekel-Schein einen 15 Schekel Granatapfelsaft bezahlt, natürlich im Gedränge kaum Zeit das Wechselgeld zu prüfen – aber es war korrekt.
Bananen, Orangen, Gemüse etc. - alles in attraktivem Preisniveau, das Kilo vorzüglicher Mandarinen zwischen ein und zwei Euro.
Allerdings wird’s dramatisch, wenn man z.B. ein Glas Bier oder ein Glas Wein konsumieren möchte. Ein durchaus „normales“ Lokal, nichts Besonderes, aber wir sprechen von 35-40 Schekel (d.h. 8-10 Euro) für 0,3-0,4 Liter Bier bzw. für ein Achtel Wein. Egal ob nun im jüdischen Teil oder im arabischen Teil (z.B. in Jaffa).
Ebenso das Essen in Restaurants, es fällt nicht unbedingt unter die Kategorie „preiswert“ in meiner Größenordnungen.
Wieder entspannt wird’s mit frisch gepresstem Granatapfelsaft, dieser kostet – je nach Bechergröße 10 bis 20 Schekel, also 2,50 bis 5 €.
Auch im lebhaften und teils mondänen Tel Aviv gibt es noch viele kleine Läden. Hier ein Schumacher mit hebräischer und kyrillischer Aufschrift.
Geschäftsbezeichnungen sind fast durchwegs dreisprachig ausgeführt, in hebräischer, arabischer und englischer Schrift, als Westeuropäer hätte man sonst ein ernstes Problem.
Am letzten Tag zeigt sich Tel Aviv von der windigen Seite, am Strand stark spürbar, in der Innenstand kann man unbehelligt die Suche nach den Bauhausstil-Häusern fortsetzen. Auch das hält aber Wind und Kitesurfer nicht davon ab.
Die folgende Tabelle bezieht sich zwar auf die Region um Caesarea aber ist sicher repräsentativ für die restliche Region.
Vor dieser Zeitrechnung hab es ab ca. 1.000 ein Königreich, das später in ein Nord – und in ein Südreich, Israel und Juda, zerfiel.
Assyrer 722 – 597 v.Chr.
Babylonier 597 – 586 v.Chr.
Perser 586 – 332 v.Chr.
Griechen 332 – 37 v.Chr.
Römer 37 v.Chr. – 324 n.Chr.
Byzanz 324 – 638 n.Chr.
Araber 638 – 1099 n.Chr.
Kreuzfahrer 1099 – 1291 n.Chr.
Mamelukken 1291 – 1561 n.Chr.
Osmanen 1561 – 1917 n.Chr.
Das Grand Court besitzt eine elegante große Lobby, sechs Lifte sorgen für sehr flottes Vorankommen im Hotel. Die Zimmer besitzen nicht die neueste Ausstattung, sind aber sauber. Natürlich gibt es auch eine Mesusa an jeder rechten Seite eines Türrahmens mit dem hebräischen Buchstaben „Schin“, dem Symbol für den Allmächtigen darauf. „Mesusa“ heißt „Türpfosten“, Bibelreferenz ist im Buch Moses 5 Mos 6,9 , beschrieben („Du sollst [diese Worte] auf die Türpfosten deines Hauses und deiner Stadttore schreiben.“). Innerhalb des Behälters befindet sich ein kleines Pergament („Klaf“) mit dem Wort „Allmächtiger“ darauf geschrieben.
Das Abendessen ist ausgesprochen reichhaltig, vielfältig und insbesondere bei der Nachspeise kann man die Portionen nicht so klein machen um alles auszuprobieren. Eine Erkenntnis – die Küche ist reiche an Gemüse, Gewürzen und Obst, man kann sich also sehr gesund ernähren.
Das Service-Personal zu 90% arabisch und männlich, klar an Sprache und an den Namensschildern zu erkennen.
Zusammenfassend – freundlich aber zurückhaltend, dies gilt für Hotel, bei Eintrittskarten etc. In kleinen Shops oder auch am Flughafen begegnet man doch genug Verkäufer(innen), die in das Mobiltelefon starren, zwar auch gelangweilt, aber noch immer interessanter als ein potenzieller Kunde.
Positiv hat sich beispielsweise die Mitarbeiter im Israel Museum in Jerusalem. Hier arbeiten viele Freiwillige (Volontäre), vor allem ältere Israeli, die trotzdem Geduld für Fragen aufbringen.
Boker Tov (Guten Tag), Erev Tov (Guten Abend) oder Shalom, wobei - Am Sabbath begrüßt man sich mit Sabbat Shalom, auch am Samstag am Abend in der Innenstadt in den Bierlokalen.
Der PKW Verkehr wird gern von Hupen untermalt, es ist schon einiges an „Dynamik“ im Fahrverhalten. Allerdings gibt’s auch viele PKWs mit den Aufklebern der üblichen Mietwagenfirmen, daher kann es nicht so schlimm sein.
Vorbildlich ist das Verhalten am Zebrastreifen. Sobald man Anstalten macht die Straße zu queren, bleibt jedes Fahrzeug stehen.
Die Verkehrskontrollen laufen etwas anders als bei uns. Ein – vorzugsweise Skoda Oktavia – Polizeiwagen steht am Pannenstreifen an strategisch günstiger Lage. Eine solche ist z.B. in der Mitte eines langen Gefälles. Dann wird die Fahrertüre geöffnet und der Polizist führt die Messung durch. Ist jemand zu schnell, dann kann man gleich die Verfolgung aufnehmen, bei 100 km/h Autobahngeschwindigkeit ist das auch kein Wunder, dass dies öfters zu sehen ist.
Eine sehr intelligente Lösung wurde für E-Bikes gefunden. Als Transporter im Bazar, Auf dem Weg zur Arbeit, mit dem Kind zur Schule, als Klappversion oder starrem Rahmen, meist mit Scheibenbremsen aber immer mit 20 Zoll Rädern und dem Akku unter dem Sattel, einfach herauszuziehen. 60% der gesehenen Räder entstammen dieser Familie, insbesonders im hügeligen Jerusalem eine intelligente Lösung, eine Batterienorm.
Der Renner auf der Straße und den Radwegen sind solche Roller, beginnen bei ca. 2.000 Schekel und gehen mit LED Beleuchtung und allem möglichen Features bis 4.000 Schekel. Sie gewinnen praktische jedes Ampelduell.
In Israel gibt es für Männer 3 Jahre, für Frauen 2,5 Jahre Wehrpflicht. Ausgenommen davon sind übrigens orthodoxe Juden, ein kontroversiell diskutiertes Thema. Auf der kleinen Fläche von Israel, ca. 20.000 qkm ergibt sich damit eine andere Dichte an Soldaten pro qm als etwa in AT.
Im Israel Museum sieht man mehrere Gruppen, sie bilden i.d.R. einen Kreis und besprechen ein Thema, eine Person in der Gruppe erstellt Notizen. Eine Episode dazu. In Quasr el Jahud befindet sich die Taufstelle, ist in dem Blog auch erläutert. Dort stehen zwei Soldatinnen in voller Adjustierung die bereitwillig und freundlich lächelnd am Steinportal vor dem Fluss für Fotos bereitstehen.
Wasser ist in Israel – trotz des mehrmaligen Beteuerns der 24 x 7 x 365 Tage Wasserverfügbarkeit im Gegensatz zu anderen Ländern des Nahen Ostens knappes Gut. Wasser stammt vom Regen bzw. Zisternen, stammt vom See Genezareth, stammt von Wiederaufbereitungsanlagen und von Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Entsprechend der Qualität des Wassers wird es für unterschiedliche Zwecke in der Landwirtschaft eingesetzt. Beispielsweise in der Fischzucht, noch zu salziges Wasser wäre für den Menschen nicht genießbar, ist aber für die Zucht von Barschen ausreichend.
Nun ist das Handling von knappem Gut in der Zwischenzeit zu verkaufbarem Know How geworden, welches bereits in andere Länder exportiert wird.
Jeder Reiseführer warnt vor den umfangreichen Sicherheitskontrollen am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. In der Realität – völlig entspannt, die automatische Passerkennung hat auf Anhieb funktioniert, der Sicherheitsbeamte stellt vier Fragen wie „Ob man Koffer selbst gepackt hat etc.“. Eine Sache von zwei Minuten. Danach Koffer aufgeben und in dem zentral – und damit sehr kundenfreundlich angeordneten Duty Free bzw. Gastronomiebereich die restlichen Schekel ausgeben, Datteln, Hummus etc.
Um das Ganze nicht zu entspannt werden zu lassen, von zwei mitreisenden Österreicherinnern wird eine aus der ersten Warteschlange geholt und länger befragt, in Summe ca.15 Minuten. Ob das nun ein Stempel aus Ägypten im Pass war oder eventuell die Kopfbedeckung oder einfach nur das Zufallsprinzip kann man natürlich nicht sagen. Ein nerviges Erlebnis noch am Schluss. Sobald man eine Rechnung mit mehr als 400 Schekel vorweisen kann, erhält man die Mehrwertsteuer zurück.
Soweit die Theorie. Nach fünf Minuten anstehen in der „Tax Refund Schlange“ erzählt mir die Dame am Schalter, dass ich die Produkte vorweisen muss um die es in der Rechnung geht. Es stünde ohnehin auf der Rechnung und sie erteilt mit dem Leuchtstift am Kleingedruckten Nachhilfeunterricht. Mein Ärger ist groß, aber nach kurzem Nachdenken wird es klar. Ich könnte ja eine Rechnung von einem Bekannten aus Israel, der nicht zum Tax Refund berechtigt ist, vorweisen.
Und der Flieger zurück nach Österreich ist – neben Touristen – gefüllt mit arabischen und jüdischen Reisenden, sie scheinen den Flug nicht zum ersten Mal zu absolvieren. Die Austrian serviert zuerst halal sowie koschere Speisen, danach sind die anderen und ohne spezielle Bedürfnisse dran. Die Sitznachbarin ist offensichtlich eine gläubige Jüdin. Das koschere Menü wird nur geöffnet, d.h. Die Folie der Hauptspeise. Nachdem dies nicht Gefallen findet, geht auch Nachspeise und Gebäck ungeöffnet zurück(und ich war zu feige zu fragen ob sie das Menü nicht mir übergeben möchte). Stattdessen wird aus der Tasche in Papiersackerl mit einem Bagel gezogen, auf dem Papier der Herkunftsort aufgedruckt, „Holy Bagel Cafe“.
Ein Sidestep hier. Unser Reiseleiter, 77 Jahre und kein bisschen müde erzählte, dass bei den Speisen in einem Restaurant mitunter mehrere Rabbies den koscheren Zustand bestätigen, da nicht jedem Rabbi von jeder Gemeinde vertraut wird.
Als Abschluss möchte ich aber noch dem Wunsch unseres Guides nachkommen und seine abschließenden Worte wiedergeben: "Wir möchten in Frieden und Ruhe leben, das ist noch nicht ganz der Fall aber ich hoffe Ihr seht, dass Ihr hier sicher das Land besuchen könnt. Tragt das zurück in eure Heimat“.